Iran 2018, Teil 4: Nordostiran

Hier geht’s zurück zum Teil 3 des Reisetagebuches.

9.4.2018, Grenzübertritt Türkei – Iran:

Gegen Mittag türkischer Zeit (Iran: +1,5 Stunden) überqueren wir die Grenze. Die Ausreiseformalitäten sind in einer halben Stunde erledigt.
Vor der iranischen Seite müssen wir etwas warten, dann hilft uns ein Mann in Zivil auf unserem Weg durch den Behördendschungel. Hier ein Stempel, da eine Unterschrift, dort ein Eintrag im Carnet und wieder zurück einen weiteren Stempel holen. Es ist ein wenig unübersichtlich aber alles läuft sehr freundlich-entspannt ab.
Die Sache dauert trotz Hilfe etwa eine Stunde bis Pontius, Pilatus et al. den jeweiligen Sanktus gegeben haben.
Die Frage ob wir (verbotenerweise) Alkohol dabei hätten, verneine ich offensichtlich überzeugend genug … Das Auto wird vom Zoll kaum kontrolliert, ein kurzer Blick in den Wohnaufbau ist alles.

Es stellt sich dann übrigens heraus dass unser „Helfer“ kein Offizieller ist, aber wir lassen uns nicht über den Tisch ziehen. Ich bezahle einen angemessenen Preis, nicht die verlangten und völlig unrealistischen 35 Euro.

Das mit der Autoversicherung für den Iran erledige ich dann etwa einen Kilometer weiter, vor der Endkontrolle, selbstständig. Für 2 Monate Haftpflicht zahlen wir 65 Euro (1 Monat hätte 38 Euro gekostet). Dabei komme ich zum erstenmal mit dem iranischen Geldsystem in Berührung, denn das Rückgeld bekomme ich in Rial.

1 Euro entspricht 65000 Rial, wobei bei Dingen des täglichen Lebens fast alles in Toman angeschrieben ist. Aber leider nicht alles. Was nun gilt – Rial oder Toman – muss man sich denken oder erfragen. 1 Toman entspricht 10 Rial.

Mit den 35 Euro Rückgeld von der Versicherung hätten wir den Hilux mehrfach volltanken können, denn wir zahlen im Iran für 50 Liter Diesel umgerechnet 4,60 Euro. Ja, ihr habt richtig gelesen.
Da macht der Blick auf die Tanksäule richtig Spaß!

Im Tastenfeld der Tanksäule kann man die persischen Zahlen sehen. Gottseidank entsprechen sie (bis auf die „4“) den arabischen, diese kenn ich eh. Sonst wäre die Verwirrung mit dem Zahlungssystem noch größer.

Wir testen das Ganze dann mal in einem kleinen Imbissladen. Wir bestellen 2 riesige Falafel, Salat und Getränke und sind anschliessend pappsatt.
Als es ans Zahlen geht, ziehe ich aufs Geratewohl irgendeinen Schein raus und schau einfach was ich so zurückbekomme.
Ich bezahle 1,50 Euro.
Wahnsinn. Wie soll man in diesem Land sein Geld loswerden? 🙂

Wir fahren dann ein paar Kilometer auf holprigen – wir sind von der Türkei sehr verwöhnt aber das geht teilweise echt ruppig her – und von „Speedbumps“ (Bodenschwellen) geprägten Strassen. Aus gefühlt jedem dritten Auto hupt und winkt man uns überschwänglich zu. Wir fühlen uns wie die Ostdeutschen anno 1989 mit ihren Trabis auf dem Weg in den Westen.

Als wir auf einer Tankstelle Brauchwasser nachtanken (Sprit haben wir ja noch), sehen wir wie im Iran Motoröl gewechselt wird: Über die Grube fahren, Ablaßschraube auf und rinnen lassen. Dann mit dem Fahrzeug wegfahren, ein Streichholz in die Grube werfen und die Luft im Umkreis von 300m verpesten.
Leider sieht man auf dem Foto nicht wie dick der Rauch tatsächlich war. Gestunken hat’s wie die Pest.
Jedenfalls lassen sich die Iranis begeistert fotografieren…

Unseren ersten Nachtplatz suchen wir uns abseits der Hauptstrasse, nahe einem Strassendorf. An blühenden Obstgärten vorbei kurven wir an einen kleinen Fluss. An einer freien Stelle geparkt, fertig. Schön ruhig, denken wir.
Wir wundern uns nur, dass uns bei der Fahrt vom Dorf raus zum Fluss immer wieder Mopeds mit (quer zur Fahrtrichtung – Fussgänger aufgepasst!) aufgebundenen Schaufeln begegnet sind.

Später dann, so gegen 23 Uhr Besuch von der iranischen Polizei. Ich lass es drauf ankommen und weigere mich standhaft, in den Ort zu fahren wo es „sicherer“ sei. Die können mich mal, ich bin saumüde und rühre mich heute sicher nicht mehr von der Stelle! Schlußendlich ziehen die Uniformierten unverrichteter Dinge ab. Alles läuft in freundlicher Atmosphäre ab.

10.4.2018
Die ganze Nacht sind alle halbe Stunde Mopeds und Autos an uns vorbeigefahren. Was zum Teufel ist da los?
Irgendwann bleiben ein paar Leute nahe unserm Nachtplatz stehen und diskutieren. Ich gehe hin und frage mit Händen, Füssen und Google Translator was die da bloss machen, ob sie nach Gold graben oder was.
Ja sagen sie, hier gäb’s ganz schön viel Gold. Na bumm!
Was haben wir für ein Glück. Unser erster Tag im Iran und schon auf ein Goldgräbernest gestoßen! 🙂

Die Polizei kommt dann auch nochmal und erkundigt sich besorgt ob wir letzte Nacht eh nicht ausgeraubt worden sind. Wir machen noch ein paar Späßchen miteinander, ich bedanke mich freundlich dass sie mich letzte Nacht eh nicht verhaftet haben und ich glaube sie sind froh als wir nach unserem ausgedehnten Frühstück endlich abziehen.

Die Strassen werden dann etwas besser, der Verkehr weniger dicht und es geht durch wirklich schöne Landschaften. Optisch-geologisch interessanter als die eher eintönige Osttürkei.
Überall gibt’s Melonen zu kleinen Preisen:

Unsere erste richtige Stadt im Iran ist Tabris, die drittgrößte des Iran mit 1,5 Millionen Einwohnern.
Wir stürzen uns gleich auf den grossen, wunderbar überdachten Basar, der auch heute noch Hauptumschlagplatz für Waren aller Art ist.
Hier einige Impressionen:


Wie gehabt: Überall freundliche Menschen und (fast) alle lassen sich gern fotografieren 🙂

Einfach aber gut und reichlich Essen gehen (Suppe, köstlicher Reis mit Gemüse oder Fleisch, Salat) macht uns um 1,20 Euro pro Person ärmer. Ein leckerer frischer Fruchtshake (400ml) kostet ebensoviel, ist für hiesige Verhältnisse aber schon ein vergleichsweise teurer Luxus.
Ein handgemachter, ofenfrischer Fladen sesambestreutes Brot, mehr als ausreichend für ein 2-Personen-Frühstück, kostet 12 Eurocents.

Ich hab uns zum Übernachten einen schönen, ruhigen Platz gefunden: Blick über die Stadt inklusive.
Es gibt nämlich eine Seilbahn auf den Hausberg von Tabris, den Mount Eynali. Und am Parkplatz der Seilbahn stehen wir.
Ratet mal wer die Seilbahn gebaut hat? Richtig, die Vorarlberger.
Wir gehen trotzdem zu Fuss auf den Eynali, wie übrigens viele Iranis auch. Die Leute hier sind generell viel sportlicher als die Türken oder Araber.
Dazu sei ein ein Hinweis gestattet: Die Iranis sind keine Araber! Sie haben eine andere Sprache, eine völlig andere Kultur (auch im Umgang miteinander – kein Vergleich mit den rauen Sitten der Araber), sind subjektiv betrachtet ein wesentlich „schönerer“ Menschenschlag und bezeichnen sich auch – ohne Nazi-Konnex – als Arier. Viele junge Iranis haben mit dem Islam nix am Hut, fühlen sich durch die Vorschriften der Kleriker total unterdrückt und umgehen diese wo sie nur können. Natürlich gibt es auch Ausnahmen.
Freundlich sind sie alle:

10.4.2018
Mit Mahdi, einem sehr netten Medizinstudenten den wir gestern im Taxi kennengelernt haben machen wir einen Ausflug ins 50km entfernte Bergdorf Kandovan.
Ähnlich wie in Kappadokien (Türkei) haben sich die Leute ihre Behausungen in den weichen Tuffstein gegraben. Schaut für uns Aussenstehende recht malerisch aus, die Menschen leben aber sehr, sehr ärmlich.
Wir kaufen Fruchtgeleeplatten und Rosinensirup, alles sehr gute handgemachte Qualität. Gutes Trink-Quellwasser wird ebenfalls gebunkert.

Danach speisen wir in einem Luxusrestaurant die größten Schaschlikspieße unseres Lebens. Sehr aufmerksame Bedienung: Die haben an unserem Auto draußen am Parkplatz das „Autriche“-Nummernschild gesehen und schon wird eine österr. Fahne auf den Tisch gepflanzt.
Wir futtern wie die Könige und zahlen fast wie Bettler. Wenigstens ein fürstliches Trinkgeld möchten wir geben, stoßen aber nur auf freundliches Köpfeschütteln. Wir hätten eh schon genug gezahlt …

Über Kommentare freue ich mich übrigens sehr (Danke für die bisherigen)! Auch Fragen zu unserer Reise können über die Kommentare gestellt werden, oder per Email an meine bekannte Adresse.

Hier geht’s weiter zum Teil 5 des Reisetagebuches.

Iran 2018 Teil 3: Ostanatolien

Hier geht’s zurück zum Teil 1 des Reisetagebuches.

Ich überspringe vorerst unsere Reise (von Plovdiv in Bulgarien durch den Grossteil der Türkei) bis Erzurum in Ostanatolien.
Dieser Teil 2 wird später nachgereicht.

5.4.2018:

Etwa 1500 Kilometer sind wir seit der bulgarisch-türkischen Grenze ostwärts über die Weiten der anatolischen Hochebene nach Erzurum gefahren. Diese Metropole Ostanatoliens liegt auf 1900m Meereshöhe und hat eine halbe Million Einwohner. Wie seit Tagen auch hier herrliches, meist wolkenloses  Wetter: tagsüber etwa 25 Grad warm, in der Nacht mit Minusgraden doch ziemlich kalt. Wir sind nachts und beim Frühstück recht froh über unsere gut funktionierende Gas-Standheizung.

Nur wenige Kilometer außerhalb der Stadt liegt das Schizentrum „Palandöken“, das eigens 2011 für die Universiade errichtet wurde. Im Gegensatz zu den Alpen liegt hier dieses Jahr in der Türkei eher wenig Schnee und das Schigebiet ist bereits geschlossen. Für uns kein Problem, wir haben ja die Tourenausrüstung dabei. Eine erste Erkundung ergibt: Schattseitig eine verharschte, tragende Altschneedecke, darüber eine etwa 2 Tage alte pulvrige Neuschneeschicht. Weit ist es nicht zum 3150m hohen Gipfel des Buyukeider Tepe – nicht mal 1000 Höhenmeter – aber das Gehen tut nach all der Fahrerei echt gut.

Der Aprilpulver staubt:

6.4.2018:
Die Nacht war mühsam: die Hunde die gestern tagsüber so friedlich geschlafen haben, veranstalten in der Nacht ein Höllengebelle. Dabei wäre es sonst so schön ruhig gewesen: nicht mal einen Muezzin hat man hier heroben gehört. Normalerweise ist ja in der Türkei kurz vor 5 Uhr morgens Tagwache, wenn man in Ortsnähe übernachtet. Wir drehen uns dann einfach nochmal im Bett um …

Weil’s gestern so schön war, gehen wir heute nochmal auf den Buyukeider Tepe, nehmen aber eine etwas andere, steilere Route. Ein Pulvertraum!

Nachdem wir dann die Ausrüstung wieder am Auto verstaut haben, fahren wir in die Stadt. In einer Reinigung wird für 15 Lira (3 €) unsere Wäsche liebevoll gewaschen, getrocknet und gebügelt. Inzwischen schlagen wir uns mit der hiesigen Spezialität Çağ Kebab die Bäuche voll: Von einem großen Drehspieß werden kleine Spieße abgezwackt, die mit Salat, scharfer Soße, Joghurt, Zwiebeln und gebratenen Pfefferoni serviert werden. Lecker!

7.4.2018:
Wir lassen uns in Frisiersalons verschönern, kaufen das letzte Bier vor dem Iran (dort kein Alkohol) und fahren weiter ostwärts, in Richtung iranische Grenze. Nach gut 200km machen wir bei heißen Quellen einen Zwischenstop.
Überall freundliche Kurden, die uns bei den Ortsdurchfahrten zuwinken und „Merhaba“ oder „Hoş geldiniz!“ (Willkommen) rufen.

Als wir bei den interessanten, aber wenig zum Baden einladenden heißen Thermalquellen von Diyadin sind, lachen uns herrlich weiße Berghänge an …

… und spontan beschließen wir, noch einen Schitouren-Versuch zu machen. Über eine wilde Schotterpiste schraubt uns der Hilux mit Allrad stundenlang höher und höher in die Berge, vorbei an ärmlichen und trutzigen Bergdörfern, bis auf 2600m kurz vor Einbruch der Dunkelheit endgültig Schluss ist.

Ein paar Kurden begrüßen uns freundlich, fragen was wir in dieser gottverlassenen Gegend wollen und schütteln verständnislos die Kopfe als ich ihnen unser Vorhaben mit Händen und Füßen zu erklären versuche. Es ist aber auch wirklich relativ sinnlos: selbst von hier hätten wir noch weit zu Fuß zu gehen und eine Nacht hier heroben lockt uns nicht allzusehr. So brechen wir ab, nicht ohne über diesen Abstecher ins wilde Kurdistan froh zu sein, es war schließlich ein Erlebnis der besonderen Art.
Wir kurven also wieder ins Tal und suchen ein ruhiges Nachtplätzchen. Irgendjemand hat damit allerdings keine rechte Freude: Das erste mal werden wir von eher wilden Gesellen – 5 Mann hoch – mit Maschinenpistolen kontrolliert und unsere Pässe abfotografiert. Keine Ahnung, ob die von der PKK oder vom Militär waren, sie haben sich nicht vorgestellt. Eine halbe Stunde später – wir hatten gerade geduscht – kommen sie nochmals und ich soll per Telefon mit dem Kommandanten reden. Der erklärt mir in relativ gutem Englisch, es sei eine „dangerous terrorist area“ und wir sollten hier verschwinden. Auf meine Frage ob das ein Rat oder ein Befehl sei, geht er nicht so recht ein 😉 Wir hätten uns jedenfalls sicher genug gefühlt. Schließlich werden wir vom Militär (das war es offensichtlich) aus der „Gefahrenzone“ eskortiert, weitere Diskussion zwecklos.

8.4.2018:
Auf dem Weg zurück zur Hauptstrasse kommen wir morgens an einem Viehmarkt vorbei und schauen uns das natürlich an. Wie zu erwarten sind wir plötzlich die Hauptattraktion, schütteln viele Hände. Als wir dann den Tee zahlen wollen, den wir am Markt trinken heißt es: „Der ist schon bezahlt!“ Kurdische Gastfreundschaft.

Auch sonst viele freundlich-neugierige Begegnungen:

Kurz darauf sehen wir an einem kleineren, nur 2000m hohen Pass zum ersten Mal den Ararat in seiner ganzen Pracht. Ein perfektes Frühstücksplatzerl, wo bei der Gelegenheit wieder mal dieser Blog aktualisiert wird.

Später kommt noch ein Schafhirte mit seinem Sohn (zu Pferd) vorbei und ich muss zum Gaudium der beiden Einheimischen eine Runde reiten. Gottseidank ist das Pferd von sanftem Gemüt …

Es sind nur noch wenige Kilometer bis zur Grenzstadt Dogubayazit, wo wir durch den Markt schlendern aber die Erdbeeren hier sehen nicht besonders gut aus, Sie müssen ja 1500 km aus der Westtürkei angeliefert werden. Viel wichtiger ist uns eh, dass wir unseren Klopapiervorrat hier nochmals aufstocken können. In iranischen Hocktoiletten benutzen die Einheimischen Wasser und die linke Hand 😀.

Anschließend besuchen wir den imposanten Ishak-Pascha-Palast, der im wunderbaren Nachmittagslicht so richtig gut zur Geltung kommt. 

Ausnahmsweise übernachten wir in der Stadt auf einem gebührenpflichtigen Parkplatz mit Blick auf den Ararat … … nachdem wir zu zweit um 5 Euro leckere vegetarische Pide (türkische Pizzavariante) mit Salat, Getränken und Internetzugang konsumiert haben.

9.4.20018

Noch 30 Kilometer bis Iran und der Grosse und der Kleine Ararat begleiten uns:
Unmittelbar vor der türkisch-iranischen Grenze gibt es noch einen Meteorkrater zu besichtigen. Unsere Pässe werden beim Militärposten einbehalten.  Der Krater selbst ist etwas eigenartig. 1920 soll ein Meteor hier eingeschlagen haben, aber wir vermissen die zu erwartenden seitlichen Schockmoränen und dass der Meteor ein senkrechter Loch verursacht haben soll wirkt unnatürlich. Da muss ich noch nachrecherchieren.

 

Zusammenfassung / Reiseinformationen Türkei:

Durch den sehr günstigen Wechselkurs (ca. 1:5) ist die Türkei derzeit extrem preiswert. Diesel kostet zwischen 4.75 und 5,40 TL – also ca. 1 Euro. Essen und Getränke ebenfalls spottbillig, ähnlich wie in Serbien und Bulgarien. Bezüglich Sprachbarriere hat sich ausserhalb der Touristenzentren am Mittelmeer nichts geändert: Keinerlei Fremdsprachenkenntnisse, nicht mal von jungen Leuten z.B. in Mobilfunkläden, wo man ein wenig Englisch erwarten würde.

In Richtung Osten so gut wie keine Polizeikontrollen auf den Hauptstrassen, auf der Gegenfahrbahn haben wir solche oft beobachtet. Im Kurdengebiet wildes übernachten zum Teil nicht geduldet. Nächtliches Hundegebell praktisch überall und extrem nervig. Die Bevölkerung ist sehr freundlich, mit vereinzelten Ausnahmen in Istanbul. Alle Schnellstrassen (keine Maut!) in hervorragendem Zustand, abgesehen von kurzen Abschnitten östlich von Erzurum. Jedenfalls generell wesentlich besserer Fahrbahnzustand als österreichische Autobahnen! Geschwindigkeitsbeschränkungen können getrost ignoriert werden. Sie sind teilweise völlig sinnlos bzw. unverhältnismäßig, Radarkontrollen haben wir kaum gesehen.

In der Osttürkei wird generell viel Infrastruktur-Investitionsaufwand betrieben, z. B. Staudämme zur Bewässerung und Energiegewinnung. Was nach wie vor absolut fehlt ist ein Umweltbewusstsein (massives Müllproblem).

Versorgungslage: Alles gut und günstig erhältlich, auch importierte mitteleuropäische Produkte. Nur als Beispiel z. B. in Migros-Märkten Barillanudeln und Rotweine zu Preisen etwa wie in Mitteleuropa.

Hier unsere Reiseroute von Österreich bis an die iranische Grenze:

Hier geht’s weiter zum Teil 4 des Reisetagebuches.

Iran 2018 Teil 1: Anreise durch den Balkan

Vorbemerkungen
Vor 25 Jahren war Heidi auf 2-wöchiger Kulturreise im Iran. Ich selbst habe das Land nur per Transitvisum kurz erlebt (auf einer Überstellungsfahrt von Salzburg nach Nepal, aber das ist eine andere Geschichte). Uns beide hat das Land unabhängig voneinander schon damals schwer beeindruckt und wir möchten uns diesmal wesentlich mehr Zeit nehmen. Wir haben 2-3 Monate geplant, je nachdem.
Es bedarf einiger Vorbereitungszeit, müssen doch die Visa in Wien beantragt, ein Zollpapier (Carnet de Passage) und zusätzliche Versicherungen für unseren treuen fahrbaren Untersatz abgeschlossen werden. Die Anreise planen wir über Slowenien, Kroatien, Serbien, Bulgarien und die Türkei.

24.3.2018
Bei herrlichem Frühlingswetter starten wir am Samstagvormittag in Salzburg.
Alles ist verstaut, inklusive der Schitourenausrüstung.
Nach einem kurzen Abstecher zu Heidi’s Papa im Lungau geht’s über den Tauern. Abends finden in Slowenien bei einem netten Restaurant an der Drau auch gleich ein ruhiges Nächtigungsplätzchen. Wir stärken uns mit leckerer Forelle, Mangold und Kartoffeln. Samt einer unverlangten aber umso willkommeneren Extraportion Knoblauch 🙂

26.3.2018
Entlang unserer Route kommen wir nahe Osijek (gutes lokales Bier Pivo Osječko!) am Nationalpark Kopacki Rit in Kroatien vorbei.
Hier verbringen wir zwei Tage bei bewölktem, kühlem Wetter in diesem riesigen Sumpfreservat. Die Drau ist hier kurz vor der Einmündung durch unzählige natürliche Kanäle mit der Donau verbunden und speziell im Frühling ist dies ein Paradies für knapp 300 Vogelarten. Wir wandern, unternehmen eine geführte Bootstour und sichten neben einer Vielzahl von Kormoranen, Wildgänsen Graureihern und Seeadlern auch Wildschweine. Ein unterschätztes, bei uns kaum bekanntes Naturparadies ist das!


Ein wunderbares Fischgulasch (Wels nach kroatischer Art) rundet diesen Besuch im Nationalpark ab. Sehr günstige Preise!

Weiter geht’s nach Serbien und man taucht nun etwas tiefer in den Balkan ein. In Belgrad besichtigen wir die noch im Bau befindliche Kathedrale des Heiligen Sava, eine der größten orthodoxen Kirchen der Welt mit der beeindruckenden über 30 m breiten, weltweit größten Goldmosaikkuppel.

27.3.2018
Den nächsten, sehr ruhigen Nächtigungsplatz finden wir in der Stadt Smederevo und parken direkt zwischen der Mauer dieser riesigen Festung und der Donau. Die vorbeiziehenden Fluss Frachter dröhnen leise.
Die Weiterfahrt am nächsten Morgen ist leider unmöglich, das Kupplungspedal fällt einfach durch und eine erste Vermutung lautet: defekter Kupplungsgeberzylinder. Anruf beim ÖAMTC (wozu hat man eine Reiseversicherung) und eine halbe Stunde später wird unser Hilux abgeschleppt.
Was folgt ist ein Musterbeispiel an Abzocke. Der Werkstattbesitzer besteht auf seiner Analyse eines defekten Getriebes und lässt dieses ausbauen und zu einem Getriebefachmann abtransportieren. Mein Einwand: „Probieren wir doch zuerst den Kupplungszylinder zu reparieren“ wischt er beiseite. Er ist Experte. Wir vertrauen zu diesem Zeitpunkt ihm und ausserdem auf Unterstützung durch den ÖAMTC, schließlich ist es eine Vertragswerkstatt des serbischen Partnerklubs. Es folgen Diskussionen und langsam glaube ich dem Typen immer weniger. Ein bisserl Ahnung hab ich ja auch und jeden Blödsinn glaube ich dann auch wieder nicht. Der langen Rede kurzer Sinn: Der Werkstattbesitzer ist überzeugt dass wir mit dem Getriebe nicht weit kommen werden. Ich lasse mir das nicht mehr einreden, verlange das Getriebe unrepariert wieder einzubauen. Mit einer kleinen fehlenden Schraube sowie Auffüllen der verlorenen Kupplungsflüssigkeit ist der Zylinder schnell repariert und „Luxi“ wieder fahrtauglich. Die Preisverhandlungen ziehen sich naturgemäß hin. Die ursprünglich verlangten 550 € werden schliesslich auf die Hälfte reduziert. Der ÖAMTC putzt sich ab, wir wollen nur noch weg von hier aber die Sache ist für mich damit nicht erledigt, das wird noch ein Nachspiel haben.

Gründonnerstag, 29.3.2018
Wir sind gestern nach der Werkstattodyssee nicht mehr weit gefahren und haben im Dunkeln einen ruhigen Nachtplatz gesucht und gefunden. Das Grün der Umgebung passt zum heutigen Tag.
Danach Fahrt auf der Autoput zur Bulgarischen Grenze …
… und weiter bis Sofia, wo wir die frühlingshafte Atmosphäre am Hauptplatz mit vielen jungen Menschen teilen.
Die bulgarische Hauptstadt hat das Parkproblem in der Innenstadt pragmatisch gelöst: für hiesige Verhältnisse fast unmoralisch hohe Tarife (1h umgerechnet 1€) ermöglichen uns einen Parkplatz mitten im Zentrum.

Toll auch die Ausblicke auf die schneebedeckten Berge im Umland.

Zum ruhigen Übernachten parken wir etwas südöstlich der Stadt einfach neben einem verfallenden Bahnhofsgebäude.

30.3.2018
Plovdiv ist unser nächster Stop und die europäische Kulturhauptstadt von 2019 gefällt uns richtig, richtig gut.
Wir parken und nächtigen direkt an der Fussgängerzone, am Parkplatz des Ramada Hotels. Während sich Heidi beim Friseur verschönern lässt, mache ich eine geführte Stadtwanderung. Viele Bauten aus römischer Zeit sind erhalten (unter anderem auch schöne Mosaike), aber auch interessante Kulturgüter aus anderen Epochen. Das ganze in einer lockeren Atmosphäre, die das Entdecken in dieser Stadt zum Vergnügen macht. Übrigens: Nächstes Jahr (Kulturhauptstadt) treten hier Metallica im römischen Theater auf. Das sollte man sich ansehen und -hören! 😉

Hier geht’s weiter zum Teil 3 des Reisetagebuches. (Teil 2 wird später nachträglich eingefügt.)