Reisetagebuch 2018, Teil 15: Vom Kaspischen zum Schwarzen Meer

11.6.2018
In Baku besichtigen wir noch das coole Heydar Aliyev Center (Architektin: Zaha Hadid), samt einer wirklich großartigen, berührenden Freilichtausstellung des vielfach ausgezeichneten iranischen Fotografen Reza Deghati.

Dann verlassen wir Baku mit einem Gefühl, dass wir bald wiederkommen werden. Ich bin ja wie gesagt für Städte nicht so leicht zu begeistern – die Naturschönheiten liegen mir mehr – aber Baku hat auch mich fasziniert.

Apropos Natur: In der Türkei haben wir bei Cirali an der Mittelmeerküste schon mal einen „brennenden Berg“ gesehen und es wäre ja gelacht, wenn das gasreiche Aserbaidschan nicht nur brennendes Wasser (siehe Reisebericht, Teil 14) sondern auch so einen brennenden Hang zu bieten hätte: Yanar Dağ heißt das Ganze und die Flammen sind offensichtlich nicht zu löschen. Man hat es im 2. Weltkrieg vergebens versucht, sodass die deutschen Flugzeuge dieses Naturschauspiel als Orientierungspunkt verwenden konnten. Die Hitzeabstrahlung ist enorm.


Danach fahren wir, an rötlichen Salzseen vorbei, auf der Abşeron-Halbinsel nach Norden wo in einem Tal wunderbare bunte Hügel („Bonbonberge“) einen idyllischen Nachtplatz abgeben.



Von einem der Hügel kann ich zu meiner großen Freude einen außergewöhnlich großen Fuchs beobachten.

12.6.2018
Wir fahren auf großteils sehr guten Straßen nach Nordwest, in Richtung Georgien. Es wird grüner und grüner, aus Wiesen werden Wälder und aus dem Norden winken die schneebedeckten Berge des Kaukasus welche die Grenze Aserbaidschans zu Russland bilden.

Entlang der Straße drängen sich unzählige Restaurants zwischen den Bäumen, auf der Straße finden sich gefühlt mehr Kühe als Menschen…

13.6.2018
Nach dem Volltanken (Diesel kostet in Aserbaidschan umgerechnet etwa 0,30 €) muß ich an der Grenze 20 USD Straßenbenützungsgebühr zahlen. Ich bekomme einen offiziellen Computerbeleg dafür, das scheint also in Ordnung zu sein. Ansonsten ist die Ausreise mit einem kurzen Blick ins Innere des WoMos recht schnell erledigt.

Auf der Georgischen Seite einige Sprachschwierigkeiten, aber auch so sind wir in einer Viertelstunde durch. Die neuerdings obligatorische Versicherung hatte ich schon für 10 Euro online gekauft.

Einmal quer durchs Land weniger als 600 Kilometer – das schaffen wir mit einer Tankfüllung 🙂

An die Schrift müssen wir uns erst gewöhnen – sie ist für uns ebenso unentzifferbar wie es die Iranische war.

Beiwagenmotorräder haben wir ein Aserbaidschan nicht gesehen (dort dominierten am Land die Ladas, in der Stadt Mercedes, Lexus & Co), hier in Georgien sind sie beliebtes Transportmittel für Waren und Menschen.

Der Lebensstandard in Georgien ist offensichtlich um einiges niedriger als im relativ wohlhabenden Aserbaidschan. Die Menschen wirken auch lange nicht so freundlich, eher russisch-verschlossen. Wenn man sie anlacht, kommt nicht immer ein Lächeln zurück. Ein leichtes Handheben zum Gruß ist – Ausnahmen bestätigen die Regel – schon das höchste der Gefühle.

Etwa 60 Kilometer vor Tbisli (Tiflis) biege ich nach Süden ab und schlagartig sind wir aus den Wäldern heraußen und in einer prärieartigen, ebenfalls wunderbaren Landschaft mit einem bunten Blumenmeer.

Wenige Kilometer weiter wird es immer trockener, ich glaub ich wär in Texas …

… und da kommt prompt der Cowboy geritten!

In Udabno gibt’s unverhofft ein paar coole Bars und Unterkünfte. Hier können wir die durstigen Kehlen mit einem Bier stillen …

… und Wasser bunkern, bevor wir durch mongolisch anmutende Weiten auf immer schlechter werdender Piste zum Klosteranlage von Davit Gareja rumpeln.
Nach einer ersten Besichtigung beschließen wir: die mühsame Anfahrt hat sich gelohnt!

Mit einem wunderbaren Blick zum Sonnenuntergang (wieder mal bunte Berge) und einem seeehr kräftigen Gin & Tonic beschließen wir den Tag.

14.6.2018
Die Hunde die ich gestern noch gefüttert habe waren zum Dank die halbe Nacht am Bellen und japsen. Dankeschön 🙁

Auf den Bildern sieht man ja nie wie grauslig die Piste bei der Weiterfahrt wirklich war.
Trotzdem ein Versuch:

Zur Belohnung winkt uns ein schönes Frühstücksplätzchen:

Nach stundenlanger Rüttelei sind wir endlich wieder im Tal und der Kontrast könnte kaum größer sein. Vorhin noch herrliche, einsame Weite und jetzt sowjetische Plattenbauten (und diese hier waren bei weitem nicht die schlimmsten):

Kurz darauf sind wir in der Hauptstadt Tblisi (Tiflis). Auch diese Stadt hat ihre zwei Gesichter, keine 300 Meter voneinander entfernt:

Ja ja, der georgische Wein hat seine Meriten …

… und die Stadt ihre gemütlichen Ecken …

… und auch ihre futuristischen, wie diese Fußgängerbrücke hier:

Tblisi verlockt uns trotz allem nicht zum längeren Bleiben. Am späteren Nachmittag sind wir schon wieder weg uns suchen uns einen ruhigen, kühlen Platz in den Bergen zum Übernachten.

15.6.2018
Wir nähern uns dem Schwarzen Meer. Es wird wärmer, die Vegetation subtropisch mit ersten Palmen.
Dann ist es soweit. Ein erster Annäherungsversuch:

… ergibt den Befund: Das Meer ist warm, etwa 24°C.

Baden wollen wir aber erst wo es sauberer ist. Wenige Kilometer weiter finden wir einen kleinen, hauptsächlich von Russen (und Russinen! ;)) bevölkerten Badeort. Der dunkle Sand ist sauber und soll durch seine magnetischen Eigenschaften sogar therapeutische Heilwirkung haben. Mir egal, das erste Bad im Meer heuer ist jedenfalls fein!

Wir futtern dann noch wirklich her-vor-ra-gend in einem Strandrestaurant (die georgische Küche ist ja sowas von lecker!) und ich kippe fast eine ganze Flasche Wein. Na bumm – jetzt brauch‘ ich erstmal eine Pause.

Danach kann ich trotzdem noch bis Batumi fahren. Diese Stadt gefällt uns auf Anhieb, trotz der drohenden Regenwolken. Absolut relaxt-coole Atmosphäre, jede Menge Restaurants, Bars, Cafés, Casinos. Und ein paar tolle Gebäude:


Es gibt unter anderem Volleyball am Strand…

… und open-air Billard.

Goldenes Dachl? Falsch geraten! Das hier ist Batumi, das Georgische Seebad mit Flair.

16.6.2018
Wir haben bei einer römischen Festung übernachtet und verbringen einen Faulenzertag an einem schönen Strand mit klarem Wasser. Das Schwarze Meer ist nämlich gar nicht schwarz. 🙂

Hier der bisherige Routenverlauf in den Kaukasusrepubliken:

Iran 2018 Teil 14: Von Iran nach Aserbaidschan

Hier geht’s zurück zum Teil 13 des Reisetagebuches.

Beluga-Stör, Kiwis, Gazellen, Schlammvulkane und Baku

5.6.2018:
Gestern Abend waren wir in Bandar Anzali lecker Essen. In Ghilan (so heißt die Provinz in der wir sind) genießt die Küche innerhalb des Iran einen hervorragenden Ruf und das können wir bestätigen.

Ansonsten ist für mich irgendwie die Luft heraußen, was den Iran betrifft. Seit wir das Visum für Aserbaidschan bekommen haben steht dieses Ziel im Vordergrund und solche Highlights wie im restlichen Iran bietet die Kaspische Region jetzt auch nicht mehr.

Wir besuchen noch den kleinen aber bunten, lebhaften Markt in Bandar Anzali:

Eingelegter Knoblauch ist äußerst beliebt …

… und wer ihn nicht fixfertig kaufen will, findet genügend Rohmaterial:

Leckere Kirschen gibt’s zum Spottpreis:
Auch ein junger Stör findet sich im Angebot:

Währenddessen wird unser WoMo wie immer sehr interessiert begutachtet:

Danach kaufen wir nochmal ordentlich Trockenfrüchte ein und ich suche uns zum Übernachten ein ruhiges Plätzchen am Kaspischen Meer.

6.6.2018:
Die paar Kilometer zur aserbaidschanischen Grenze sind schnell absolviert. Die Fahrt geht durch Reisfelder und Kiwiplantagen. Der flache Küstenbereich zwischen Meer und Bergen ist teilweise nur wenige Kilometer breit.

Manchmal erinnert mich die Landschaft an Indonesien, manchmal sogar an die Seychellen (ok, den Strand und das Meer nehmen wir jetzt mal aus dem Vergleich heraus!).

Dann reisen wir mit einem weinenden und einem lachenden Auge aus dem Iran aus.
Die Menschen sind wohl die gastfreundlichsten und hilfsbereitesten der Welt. Danke liebe Iranis! Ihr habt die Reise zu etwas ganz besonderem gemacht.
Manchmal war die Freundlichkeit fast zu groß, in den letzten Tagen waren wir manchmal froh, nicht angesprochen zu werden. Ich denke, damit ist es auch an der Zeit für uns zu Gehen.

Bei der Ausreise am Grenzübergang Astara (sehr ruhig, praktisch keine Privatautos, nur LKWs) dann eine Überraschung: Es muss für den exportierten Sprit Dieselsteuer gezahlt werden. Das war mir vorher nicht bekannt, auch nicht von Reiseforen.

Jedenfalls bekomme ich einen Beleg und den muss ich bei der Endkontrolle auch vorweisen, also dürfte das schon seine Richtigkeit haben. Wäre ja auch das einzige Mal gewesen, dass mich im Iran jemand übers Ohr hauen wollte.
Irgendwie kratze ich die umgerechnet 9 Euro auch noch zusammen und etwas unübersichtlich geht’s durch Holzlagerplätze und staubige Schlaglöcher zur Passkontrolle. Auch hier alles paletti und nach einer halben Stunde sind wir aus dem Iran ausgereist.
Nach der kleinen Grenzbrücke erwartet uns ein ganz anderes Bild: Gepflegte Grenzgebäude, alles tiptop. Zöllner und Soldaten in an russische Uniformen erinnernder Kleidung und die Büros nüchtern, fast leer, aufgeräumt.

Wir können heute noch nicht einreisen, aber das war uns eh (fast) klar. Unsere Visumgültigkeit beginnt erst um Mitternacht und so vertrödeln wir die restlichen Stunden im No-Man’s Land.

7.6.2018:
Wir haben dann doch noch an der Grenze geschlafen, das mit den LKWs war nicht so tragisch. In der Nacht haben nur sehr wenige Brummis den Schlagbaum passiert. Nur heiß war es, kaum ein Lüfterl ging. Also erscheinen wir relativ ausgeschlafen im aserbaidschanischen Grenzgebäude und können die Formalitäten rasch hinter uns bringen.
Auf der „zivilen“ Seite der Grenze jede Menge nagelneuer Bauten am Meer, sehr gepflegt alles und: so gut wie kein Müll!
Die Frauen ohne Kopftuch, ohne Hijab, dafür mit kurzen Röcken!
Aserbaidschan (Azerbaijan) ist zwar auch islamisch, aber auch so etwas wie frei sichtbar aufgehängte Wäsche würde man im wesentlich konservativer islamischen Iran niemals sehen: 😉

Der erste Eindruck des Landes? Kommt mir vor wie Bosnien oder vielleicht Kroatien, die Leute sind aber freundlicher hier 🙂 Und es tut gut, die Schrift wieder halbwegs lesen zu können. Aserbaidschanisch ist mit der Türkischen Sprache stark verwandt und nur wenige Buchstaben muss man neu „lernen“.
Statt Peugeot-Khodras wie im Iran fährt man hier entweder einen alten Lada oder einen neuen Mercedes. Die LKWs sind fast alle russische Kamaz.

Erster Stop dann gleich bei einer für dieses öl- und erdgasreiche Land prototypischen Stelle: An dieser Quelle tritt „brennendes Wasser“ aus. Die Lösung des scheinbaren Widerspruchs: Das Wasser ist stark methanhaltig und man kann das Wasser entzünden, es brennt mit klarer Flamme! Wow.

Es geht auf ziemlich ruppiger Asphaltstraße dahin, aber wir sind diesbezüglich vom Iran ja schon einiges gewöhnt. Die Dörfer sind sehr sauber, aber plötzlich sieht man keine Melonen mehr, die im Iran noch allgegenwärtig waren! Stattdessen werden am Straßenrand „nur“ noch Tomaten, Zwiebel, Kartoffeln und Kirschen angeboten. In den Supermärkten bekommt man aber natürlich alles: Auch z.B. Rauch-Fruchtsäfte und endlich (!!) wieder Tonic Water für unseren G&T. Im Iran haben wir uns mit Sprite ausgeholfen. Wir haben’s überlebt.

Im Allgemeinen ist (außer bei Importware) das Preisniveau um einiges günstiger als bei uns aber höher als im Iran.
Das war nicht immer so: Erst nach dem Ölpreisverfall 2015 war auch der Aserbaidschanische Manat gegenüber dem Euro plötzlich nur mehr die Hälfte wert. Das macht die Preise hier für uns attraktiv.

Nördlich von Lankaran biege ich ab zum Qizilağac Naturpark aber der gibt nicht wirklich viel her. Macht aber nix, der NP lag sowieso fast am Weg.

Die neue Autobahn von der Hauptstadt Baku nach Astara ist fast fertig, aber noch nicht ganz. Wir schummeln uns irgendwo trotzdem auf die popoglatte Asphaltbahn und genießen die schlaglochfreie Fahrt.

Dann versuche ich auf gut Glück und mit dem Motto „Frechheit siegt“ einen Besuch bei einer Stör-Farm. Einige Zeit vergeht bis ich sie nach den ungenauen Beschreibungen im Reiseführer gefunden habe, aber obwohl es schon spätnachmittags ist, treffe ich noch auf jemanden der „was zu sagen hat“ und wir können die Aufzuchtstation prompt besichtigen, bekommen sogar eine Führung. Jippee!
In dieser Aufzuchtstation werden die wegen der Kaviar-Nachfrage stark gefährdeten Beluga-Störe groß gezogen und danach ins Kaspische Meer entlassen. Einige Tiere bleiben hier, ihnen wird der Rogen bzw. der Samen entnommen und somit ist die nächste Generation gesichert.

Mini-Belugas sehen aus wie Kaulquappen:

Die größeren Exemplare werden in Betonbecken gehalten:

Wir sehen einige richtig mächtige Tiere. Diese hier haben mittlere Größe:

Nachdem wir uns überschwänglich bedankt haben, peile ich etwas an das mir schon bei der Hinfahrt aufgefallen war: Einen richtigen aserbaidschanischen Biergarten!

Nach dem alkoholfreien Iran – was für eine Freude! Eine wirklich leckere Halbe kostet umgerechnet 0,75 Euro. Zum Essen gibt’s leider nichts außer geräucherten Käse (genauso wie der den uns Robert mal aus seiner Heimat Slowakei mitgebracht hat), aber der ist im Preis inbegriffen. Ausserdem darf man „bräustüblmäßig“ seine eigene Jause mitnehmen.

Ich kann /will danach keinen Meter mehr fahren und wir übernachten direkt beim Biergarten, was den Hund in der Nacht ein paarmal aufregt. Blöder Köter!

8.6.2018:
Der Şirvan Nationalpark ist für das Vorkommen der einzigen europäischen Gazellenart bekannt (ja, sowas haben wir hier in Europa!), der Kropfgazelle.
Gleich neben ein paar Ölpumpen …

… sind gleich mehrere Rudel zu sehen. Leider sind die Tiere etwas „Leut-scheu“.
Außerdem ist der Park mit seinen Schilfgürteln um die vielen kleinen Seen ein Vogelparadies.

Auffallend vor allem die vielen Rötelfalken.

Den Großteil des Tages verbringen wir im Nationalpark, dann beschließen wir kurzerhand heute noch zu einem Schlammvulkan zu fahren.
Was das ist, ein Schlammvulkan? Ihr werdet sehen.

Erst geht es an einem Ölschlammfeld vorbei über eine wilde Piste (in Wirklichkeit viel schlimmer als es auf dem Bild aussieht) steil nach oben und dann stehen wir …

… oben auf dem Vulkan mit den aus getrocknetem Schlamm gebildeten kleinen Hügeln.

An der Küste erscheinen schon die ersten Lichter aber wir sind sofort fasziniert und machen gleich einen ersten Erkundungsgang.

Schwer zu beschreiben, aber es ist einfach cool, wie es überall aus einem guten Dutzend Mini-Kratern spuckt und gurgelt und blubbert.

9.6.2018:
Die Nacht war einsam und total ruhig, man hörte um uns herum nur das leise Blubbern der Schlammvulkane, hier oben in der mondartigen Landschaft.
Manche Vulkankegel haben ganz dickflüssigen Schlamm, andere dagegen eher dünnflüssigen…

… und manche bilden einen richtigen See aus deren Mitte ständig Methangas ausströmt wie in einem Jacuzzi:

Ich bin fasziniert. Vor vielen, vielen Jahren hatte ich mal in Kolumbien in einem Schlammvulkan gebadet, aber die hier sind nicht so fein warm wie der kolumbianische „Volcan Tatumo“, sondern eher zu kühl um darin zu Baden. Heute ist es ausnahmsweise bewölkt und es weht ein kühler Wind, darum komme ich gar nicht erst in Versuchung.
Stattdessen kann ich mich nicht sattsehen.





Nachdem am Vormittag dann immer mehr Besucher auftauchen (wir sind jetzt wieder bei den gewohnten Sa/So Wochenenden, nicht mehr Do/Fr wie im Iran), fahren wir los in Richtung der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku.
Zuvor versuche ich noch zwecks einer Besichtigung zum größten Öl- und Gasverladehafen des Landes zu kommen, stoße aber in der Halbwüste nur auf einen laaaangen Zug mit Ölwaggons, einer Gasabfackelung und auf relativ nervöse Militärs :).

Kurz darauf fahren wir in Baku ein. Ich komme mir schön langsam vor wie in einer Zeitmaschine: Vor wenigen Tagen noch im Iran, dann scheinbar am Mond und nun in der Zukunft! Ich bin ja sonst eher ein Architekturbanause. Aber was man hier sieht, beeindruckt mich durchaus. Aha, so kann man also auch bauen!
Ich biege gleich beim erstbesten Parkplatz ein: In fußläufiger Entfernung zur Innenstadt, an einem Park und an der Uferpromenade gelegen. Angenehm kühler Wind vom Kaspischen Meer her, herrlicher Blick auf das Wahrzeichen der Stadt, die „Flame Towers“. Dahinter die Baustelle der „Caspian Waterfront Mall“, die wohl nicht nur mich an das Opernhaus von Sydney erinnert.

(Hier sieht man wie die Mall aussehen soll wenn sie fertig ist: Klick)

Freies schnelles WLAN gibt’s hier und alles ist pipifein sauber. Anfangs habe ich sogar Skrupel den gepflegten, dicken Rasen zu betreten 🙂

Hier als weiteres Architekturbeispiel das Teppichmuseum gleich um die Ecke:

Und da die Flame Towers, die uns abends prächtige Farbenspiele vor den Nachthimmel zaubern:

Die Fußgängerzone schwirrt von gut gelaunten, bestens gekleideten Menschen zwischen Designershops, Restaurants und gediegenen Outlets.

Wir gehen wirklich sehr lecker essen, trotz bester Innenstadtlage kostet es nur 10 Euro pro Person, inklusive Getränke und service charge.
Dann noch ein Spaziergang durch die nicht minder attraktive Altstadt.

Das hätte ich mir nicht träumen lassen, dass Baku so toll ist! Wenn nur das Meer noch sauber wäre. Aber das ist der Pferdefuß an der ganzen Geschichte: Der Reichtum der Stadt gründet sich auf Öl und Gas. Die Natur leidet darunter, auch wenn man in der trüben Brühe hartnäckige Fische schwimmen sieht.

10.6.2018
Ein gemütlicher Tag klingt mit einem Spaziergang durch Baku aus: Wir wollen eigentlich nur ins Restaurant, machen dann aber ungeplant einen Abstecher in Richtung Flame Towers

…auf den Aussichtsberg Bakus, mit großer Plattform und internationalem Publikum über der Stadt…

… sowie mit einem Feuertempel.

Vor den Flame Towers angekommen erkenne ich, dass man hier sogar den Kanaldeckeln eine eigene Gußform spendiert hatte:

Wer mich kennt, ahnt schon was jetzt kommt: Nach dem Motto „Frechheit siegt“ spazieren wir einfach in einen der Flame Towers rein und ich steuere scheinbar zielbewußt auf die Fahrstühle zu. Mal schauen wie weit wir rauf kommen 🙂
Im vorletzten Stockwerk ist Schluß, eine kleine Lobby…

… erlaubt wunderbare und leicht Akrophobie-indizierende Ausblicke.

Dann endlich ab ins selbe Restaurant wie gestern, weil’s da soooo fein war, das Firuze.
Hab ich schon erwähnt, dass das lokale Bier sehr lecker ist? 😉

Abends am Jungfrauenturm vorbei…

… und dann im WoMo schlafen mit Blick durchs Fenster auf die erleuchteten Flame Towers, die ich soooo cool finde.
Gute Nacht!

 

Iran 2018 Teil 13: Von den Bergen ans Kaspische Meer

Hier geht’s zurück zum Teil 12 des Reisetagebuches.

31.5.2018:
Wir verbringen die Nacht in der Nähe des Chekan-Wasserfalls, bunkern am Morgen Trinkwasser und fahren gemütlich weiter durch schöne Berglandschaften
nach Sepid Dasht, wo in einer spektakulären Schlucht die Straße eine Bahnstrecke kreuzt, die in den 1930er Jahren von einem dänischen Konsortium durch diese wilden Berge getrieben wurde (eine Fahrt, die bei der nächsten Iranreise dran kommt).

In Sepid Dasht will ich etwas Diesel zutanken. Eventuell komm ich mit dem Sprit noch bis Khorramabad, aber sicher ist sicher. Doch in diesem Ort gibt’s heute nur Benzin, keinen Diesel. Na gut, ist ja kein Beinbruch. Während ich noch auf der Karte die Route plane, haben die Umstehenden eine Lösung parat: ein kleiner Baustellentankwagen hat noch Diesel, ich soll einfach dort tanken. Gesagt, getan, ein freundlicher Mensch begleitet uns dorthin und füllt den Hilux bis zur Oberkante Unterlippe auf.

Nein, bezahlen darf ich den Diesel nicht.
Es gibt im Iran das System des Taroof: Das bedeutet, man muss 3 mal offerieren zu bezahlen oder ein Geschenk 3 mal ablehnen. Erst wenn der Gebende dann immer noch darauf besteht, dann darf man annehmen. Wir wissen das längst und bestehen immer mindestens 4 mal auf einer Bezahlung um ganz sicher zu sein. Aber trotzdem bekommen wir von den gastfreundlichen Iranis soooo vieles geschenkt!

Bei der anschließenden Fahrt durch die Kleinstadt Sepid Dasht sind wir hin und weg weil wir von wirklich jedem auf und an der Straße so extrem freundlich begrüßt werden, dass es sogar hier im Iran auffällt wo wir ja überall herzlich willkommen geheißen werden. Aber die Leute hier toppen das alles nochmal.
Nach Sepid Dasht geht’s über ein paar Serpentinen auf eine Hochebene und nach einem Abstecher zum wenig verlockenden Gerit Wasserfall sind wir bald wieder auf einer Schnellstraße.

1.6.2018:
Diese Straße bringt uns durch fruchtbare Landschaften nach Hamadan, wo wir dem Mausoleum des Avicenna / Ali Ibn Sina (wer das Buch „Der Medicus“ gelesen hat, wird sich erinnern!) einen Besuch abstatten.


Wir bekommen eine Spezialführung von zwei Studenten, die sehr gut Englisch sprechen und die hier Dienst machen. Es ist uns schon aufgefallen, dass sich viele junge Iranis in den Dienst der Sache stellen und Freiwilligenarbeit leisten.

Hamadan ist eine ausgesprochen moderne, angenehme, saubere und gut organisierte Stadt. Der Nahe Berg Alvand (3350m) winkt mit seinen letzten Schneeresten. Aber es ist zu wenig um noch eine g’scheite Firntour zu machen…

Von Hamadan aus organisiere ich unser Visum für Azerbaijan. Das geht problemlos online, innerhalb von 24 Stunden ist das fertige Visum im Emailpostfach. So gefällt mir das.

Weiter geht’s dann durch eher unspektakuläres, landwirtschaftlich geprägtes Land zu einem Stausee, wo wir ein ruhiges Übernachtungsplätzchen finden.

Übrigens: Wenn’s auf einer iranischen Autobahn mal wegen eines Unfalles staut, dann finden die Fahrer meist recht innovative Lösungen einer Umfahrung.

2.6.2018:
Wir machen Kilometer und fahren über die Autobahn bei Zanjan (2x dürfen wir die – eh sehr preiswerte – Maut nicht bezahlen) rauf nach Khalkhal, in die Berge des Alborzgebirges. Immer wieder finden sich entlang der Strasse interessante Felsformationen …

… und schöne Ausblicke.

Die Nebel des Kaspischen Meeres schieben sich über die Wetterscheide:

3.6.2018:
Das Wetter ist weiterhin traumhaft, die Nacht war hier in Khalkhal auf 1800 Meter mit nur 9 Grad beim Auto schon merklich kühler als weiter im Süden auf der selben Höhe.

Nach dem Frühstück etwas außerhalb von Khalkhal stoppen wir bei einer kleinen Siedlung und wandern inmitten von Blumenwiesen mit Riesen-Klatschmohn auf eine Anhöhe um das Kaspische Meer von oben zu sehen.

Eine Art Pfifferlinge (mit dunkelbraunen Lamellen) versteckt sich zwischen dem Blütenmeer:

Passt dazu Lammbraten? 🙂

Jedenfalls versteckt sich das Meer unter einer Wolkendecke:

Als wir weiterfahren, tauchen wir ein in die Nebelsuppe…

… und kommen in einem völlig anderen Iran heraus. Hier gibt’s Wasser in Hülle und Fülle! Es dominiert der Reisanbau.

Gestern ist unser Gas zum Kochen und Duschwasser Wärmen zu Ende gegangen. In einer unscheinbaren Hütte am Strassenrand …

… findet sich schnell ein Gashändler.
Meine mitgebrachten Euro-Adapter passen nicht, aber mit einer etwas abenteuerlichen Verbindungskonstruktion wird die Sache passend gemacht.

Kostenpunkt für 6 kg LPG: nicht mal ein Euro. Da bleibt glatt Geld übrig für einen Friseurbesuch, aber trotz längerem hingebungsvollem Geschnipsel werde ich auch hier gerade mal 70 Eurocent los.

Dann kurven wir in einem kräftigen Gewitterregen die paar Kilometer zum Kaspischen Meer und richten uns an einem öffentlichen Strand (nein, wir dürfen keinen Eintritt bezahlen) für die Nacht ein. So schnell wie der Regen kam, verziehen sich die Wolken wieder.

4.6.2018:
Wir haben erfahren, dass wieder mal einer der ausgiebigen iranischen Feiertage ist. Deshalb ist heute am Strand ganz schön was los.
In der Früh geht’s noch einigermaßen.

Später füllt sich der Beach mit Menschen und wir flüchten. Die laute Musik, das Motorbootfahren und die Motorparagleiter, das ist uns zu viel.
Das Wasser und der Strand sind zwar nicht supersauber, aber doch besser als wir befürchtet hatten.
Die weit ins Meer reichenden Absperrungen zwischen Männer- und Frauenstrand sind wohl nicht mehr in Betrieb:

Hier geht’s weiter zum Teil 14 des Reiseberichtes.

Hier unser ungefährer Routenverlauf im Iran: