Iran 2018 Teil 5: Zwischen Tabris und Zandjan

Wir verbringen noch ein paar Tage in Tabris mit Schlendern durch den riesigen Basar, der Besorgung einer lokalen Simkarte für’s Internet von Irancell und viel Plaudern mit netten Menschen.
Ein Schmied im Basar, beim Schmieden von Spitzhacken:

War der Parkplatz der Mount Eynali Kabinenbahn unter der Woche so gut wie leer, ändert sich das am Wochenende grundlegend: Obwohl es zeitweise regnet, pilgern am Donnerstag und Freitag (das hiesige Wochenende) hunderte Einheimische sportlich zu Fuss oder eben mit der Seilbahn auf den Berg. Wir werden komplett zugeparkt, aber das macht nix. Ich muss sowieso mal einen Arbeitstag einlegen…

Eine ganz besondere zufällige Begegnung haben wir mit Jalal, einem unheimlich netten jungen Mann, der u.a. selbständig als Berater tätig und viel im Ausland unterwegs ist. So fliegt er übermorgen nach Wien um an einer Konferenz des Austrian Institute of Technology (AIT) teilzunehmen.

Jalal spricht hervorragend Englisch, sogar ein paar Brocken Deutsch hat er drauf. Wir verbringen einen spannenden Abend gemeinsam in einem sehr guten Restaurant. Die Highlights der lokalen Variante der persischen Küche werden aufgetischt und wir müssen uns die Reste einpacken lassen. Diese werden noch für 2x Essen reichen :).

Übrigens: Dass Tabris mal an der Seidenstrasse lag, sieht man hier:

14.4.2018
Der Tag beginnt mit einem Paradebeispiel iranischer Gastfreundschaft. Unsere Gasflasche ist leer und wir suchen eine Möglichkeit, diese wieder Auffüllen zu lassen. Natürlich kann ich auch selber „ummascheissn“ und mühsam selbst umfüllen. Ich probier’s aber erst einmal beim erstbesten Händler der auf Open Street Maps mit „Flüssiggashändler“ angegeben ist. Der hat leider nur CNG-Autogas. Ich werde kurzerhand mitsamt der leeren Gasflasche in das Privatauto von Kunden verfrachtet (die können kein Wort Englisch aber wir verstehen uns auch so) und noch bevor Heidi mitbekommen hat was überhaupt los ist, kurven die beiden mit mir durch die halbe Stadt.
Mitten zwischen Wohnhäusern hat hier ein Propanhändler seine Abfüllstation, mit einem geschätzt 2000 Liter Flüssiggastank. Also ich würde hier nicht ruhig schlafen können …
Jedenfalls ist meine Flasche schnell abgefüllt und meine beiden Begleiter zahlen. Ich darf keinen müden Rial ablegen. Dann ruft Mehdi, ein Freund der Beiden an, dieser spricht gutes Englisch und wir müssen einen Umweg über dessen Restaurant machen. Keine Widerrede. Ich werde begrüßt wie ein lange verschollener Freund, unzählige Selfies werden geschossen und nur weil ich klarmachen kann dass Heidi wartet. ohne zu wissen wo ich bin, lässt mich Mehdi wieder ziehen. Aber nicht ohne mir als Geschenk ein grosses Lunchpaket mit gegrilltem Spiess und Beilagen mitzugeben.

Erlebnisse dieser Art haben wir immer wieder. Zahlt man in Europa als Tourist oft mehr, bekommen wir hier „Touristenrabatt“! Heidi’s Friseurinnen z.B. lassen alle anderen Kunden stehen und stürzen sich voller Begeisterung auf sie. Nein, nein – Geld nehmen sie keines. Auch beim Barbier (ich lasse mich gerne genussvoll rasieren), zahle ich weniger als die Einheimischen. Umgerechnet etwa 0,60 Euro.
Was wir so zwischen den Zeilen mitbekommen, ist es den Iranern extrem wichtig uns gegenüber zu zeigen, dass sie (Zitat) „nicht alle Terroristen seien“ und dass das Bild das unsere Medien vom Iran zeichnen geprägt sei von (Zitat) „diesen idiotischen, ungebildeten Analphabeten die unser Land regieren“.
Wir bekommen sie von vielen, vor allem jungen Menschen hier zu hören und zu spüren: Diese unheimliche Wut auf die Mullahs, die den Jungen keine Freiheiten lassen und mit ihrer Politik die Sanktionen des Westens provozieren.

Wir fahren dann etwa 30 km aus der Stadt raus zu einem relativ unbekannten Naturwunder: Die farbigen Hügel von Khajeh. Die weichen und nach dem Regen lemig-klebrigen Hügel strahlen in wunderbaren Rot- und Ockertönen.
Und ist es zu fassen? Was woanders zumindest ein geschütztes Naturdenkmal wäre, wird hier als Mülldeponie missbraucht.

15.4.2018
Nachdem ich noch eine Stunde auf und zwischen den farbigen Hügeln rumgestiefelt bin, wird dem Hilux mal wieder eine Wäsche gegönnt. Die Reifen von Lehm verklebt und das restliche Auto über und über mit Lehmklumpen „verziert“ sind wir so echt nicht mehr herzeigbar.

Unser nächster Stop ist das Schigebiet des 3750m hohen Vulkans Sahand.

(Der Grafiker ist wohl noch nie auf Skiern gestanden :))

Je höher wir kommen, desto dichter werden die Wolken und bei dichtem Schneetreiben kommen wir endlich am Fuss des schlafenden Vulkans an. Wir richten uns gemütlich ein und warten auf die für morgen angekündigte Wetterbesserung.

16.4.2018
Der Tag beginnt eisig kalt, alles ausserhalb der Wohnkabine ist tiefgefroren. Wieder mal hat uns die Standheizung gerettet (danke Gofi!).
Eine Gruppe der Tabris Mountaineering Club (inklusive 3 Mädels) macht hier einen Ausbildungstag, manche von ihnen sprechen passabel Englisch und erklären uns wie wir zum höchsten Gipfel hier kommen. Man sieht ihn nämlich noch nicht von unserem Standort aus.
Dann gehen wir los, nur kurz müssen wir die Schi tragen, dann sind wir auf lockerem Pulverschnee mit Altschneeunterlage.

Das Ziel zeigt sich zum ersten Mal, hier in der Bildmitte. Alles sieht näher aus als es ist, die trockene Luft sorgt dafür.

Im windstillen Teil ist es sehr warm, am Gipfelgrat allerdings wird es windig und immer wieder ziehen Nebelfetzen darüber weg.

Die letzten Meter vor dem 3750m hohen, abgeblasenen Gipfel des Kamal Qosh Goli oder Mt. Sahand:

Wir queren den steinigen Gipfelauschwung mit geschulterten Schi, dann sind wir in einer kleinen Scharte die ich schon beim Aufstieg als möglichen Beginn der Abfahrtsroute ausgespechtelt habe. Was dann folgt ist pure Freude! Der Pulver ist so trocken und locker wie ich ihn selten erlebt habe.

Sieht flacher aus als es war:

Video:

Kaum sind wir beim Auto, zieht es wieder zu und wir schauen, dass wir von unserem Basecamp verschwinden. Wir fahren noch ein paar Kilometer und lassen uns an einem ruhigen Stauseeufer nieder. Zwar herrschen auch hier morgens wegen der Höhe Minustemperaturen, aber alles im erträglichen Bereich. Und in der Sonne ist es eh gleich einmal warm.

17.4.2018
Heute unterbrechen wie die Fahrt zum Frühstück in einem kleinen Dorf, wo gerade Wochenmarkt ist.
Alles sehr, sehr ursprünglich. Hier wird übrigens noch ein Abakus zum Rechnen benutzt (nur die älteren Semester kennen den noch), kein Taschenrechner.

Nächster Stop ist ein alter parthischer Pavillon aus dem 2. Jhd. v. Chr., das beeindruckendste ist die tolle Lage hoch über einem Flusstal, in dem vor unserem geistigen Auge die Kamelkarawanen aus längst vergangenen Zeiten entlangziehen. Wir entdecken einige Ruinen und sehen genau wo Wegezoll verlangt und wo die Händler und ihre Tiere gelagert haben müssen.
Der aussichtsreiche Pavillon selbst ist unter dem Namen Qaleh-ye Zohak bekannt, ausser uns ist nur ein einheimischer Archäologe oder Arbeiter hier.

Max auf der Seidenstrassen-Route …

Wir haben das Gefühl, dass wir uns mit all dem was der Iran Tolles zu bieten hat, unheimlich verzetteln werden. Also geben wir heute noch ein bisserl Gas und machen Kilometer.
Immer wieder Melonen am Strassenrand:

Urplötzlich treffen wir auf eine ausgewaschene Piste mit ordentlichen Schlaglöchern.

War schlimmer als es hier ausschaut!


Wir zockeln eine gefühlte Ewigkeit in halbem Schrittempo weiter, bevor Luxi endlich wieder Asphalt unter den Patscherln hat.
Dann aber ein Highlight, das meiner Meinung nach die gesamte Anreise schon lohnt: Wir sind umgeben von bunten Hügeln, noch viel schöner als die bei Tabris.

Hier lässt sich schnell ein feines Nachtplatzerl finden…

18.4.2018
Wir gönnen uns einen halben Ruhetag, natürlich nicht ohne Erforschen der traumhaften, schon steppenartigen Umgebung. Ich fühle mich so richtig angekommen im Orient.
Am frühen Nachmittag zockeln wir dann gemütlich weiter und immer wieder ergeben sich herrliche Ausblicke in diese fast völlig einsamen Landschaften.

Nur ab und zu sehen wir Reisfelder und Bauern die in der Flussebene im Schlamm die Reissetzlinge ausbringen. Die Gegend ist sehr wasserreich.

Abends erreichen wir nach viel auf- und ab auf guten Landstrassen endlich die Sadt Zanjan/Zandschan. Wir sind hier wieder an der Hauptverbindungsstrasse nach Teheran. Am appetitlichen Basar decken wir uns mit herrlichem Obst ein.

Fortsetzung folgt …

Hier unsere bisherige Reiseroute:

Iran 2018, Teil 4: Nordostiran

9.4.2018, Grenzübertritt Türkei – Iran:

Gegen Mittag türkischer Zeit (Iran: +1,5 Stunden) überqueren wir die Grenze. Die Ausreiseformalitäten sind in einer halben Stunde erledigt.
Vor der iranischen Seite müssen wir etwas warten, dann hilft uns ein Mann in Zivil auf unserem Weg durch den Behördendschungel. Hier ein Stempel, da eine Unterschrift, dort ein Eintrag im Carnet und wieder zurück einen weiteren Stempel holen. Es ist ein wenig unübersichtlich aber alles läuft sehr freundlich-entspannt ab.
Die Sache dauert trotz Hilfe etwa eine Stunde bis Pontius, Pilatus et al. den jeweiligen Sanktus gegeben haben.
Die Frage ob wir (verbotenerweise) Alkohol dabei hätten, verneine ich offensichtlich überzeugend genug … Das Auto wird vom Zoll kaum kontrolliert, ein kurzer Blick in den Wohnaufbau ist alles.

Es stellt sich dann übrigens heraus dass unser „Helfer“ kein Offizieller ist, aber wir lassen uns nicht über den Tisch ziehen. Ich bezahle einen angemessenen Preis, nicht die verlangten und völlig unrealistischen 35 Euro.

Das mit der Autoversicherung für den Iran erledige ich dann etwa einen Kilometer weiter, vor der Endkontrolle, selbstständig. Für 2 Monate Haftpflicht zahlen wir 65 Euro (1 Monat hätte 38 Euro gekostet). Dabei komme ich zum erstenmal mit dem iranischen Geldsystem in Berührung, denn das Rückgeld bekomme ich in Rial.

1 Euro entspricht 65000 Rial, wobei bei Dingen des täglichen Lebens fast alles in Toman angeschrieben ist. Aber leider nicht alles. Was nun gilt – Rial oder Toman – muss man sich denken oder erfragen. 1 Toman entspricht 10 Rial.

Mit den 35 Euro Rückgeld von der Versicherung hätten wir den Hilux mehrfach volltanken können, denn wir zahlen im Iran für 50 Liter Diesel umgerechnet 4,60 Euro. Ja, ihr habt richtig gelesen.
Da macht der Blick auf die Tanksäule richtig Spaß!

Im Tastenfeld der Tanksäule kann man die persischen Zahlen sehen. Gottseidank entsprechen sie (bis auf die „4“) den arabischen, diese kenn ich eh. Sonst wäre die Verwirrung mit dem Zahlungssystem noch größer.

Wir testen das Ganze dann mal in einem kleinen Imbissladen. Wir bestellen 2 riesige Falafel, Salat und Getränke und sind anschliessend pappsatt.
Als es ans Zahlen geht, ziehe ich aufs Geratewohl irgendeinen Schein raus und schau einfach was ich so zurückbekomme.
Ich bezahle 1,50 Euro.
Wahnsinn. Wie soll man in diesem Land sein Geld loswerden? 🙂

Wir fahren dann ein paar Kilometer auf holprigen – wir sind von der Türkei sehr verwöhnt aber das geht teilweise echt ruppig her – und von „Speedbumps“ (Bodenschwellen) geprägten Strassen. Aus gefühlt jedem dritten Auto hupt und winkt man uns überschwänglich zu. Wir fühlen uns wie die Ostdeutschen anno 1989 mit ihren Trabis auf dem Weg in den Westen.

Als wir auf einer Tankstelle Brauchwasser nachtanken (Sprit haben wir ja noch), sehen wir wie im Iran Motoröl gewechselt wird: Über die Grube fahren, Ablaßschraube auf und rinnen lassen. Dann mit dem Fahrzeug wegfahren, ein Streichholz in die Grube werfen und die Luft im Umkreis von 300m verpesten.
Leider sieht man auf dem Foto nicht wie dick der Rauch tatsächlich war. Gestunken hat’s wie die Pest.
Jedenfalls lassen sich die Iranis begeistert fotografieren…

Unseren ersten Nachtplatz suchen wir uns abseits der Hauptstrasse, nahe einem Strassendorf. An blühenden Obstgärten vorbei kurven wir an einen kleinen Fluss. An einer freien Stelle geparkt, fertig. Schön ruhig, denken wir.
Wir wundern uns nur, dass uns bei der Fahrt vom Dorf raus zum Fluss immer wieder Mopeds mit (quer zur Fahrtrichtung – Fussgänger aufgepasst!) aufgebundenen Schaufeln begegnet sind.

Später dann, so gegen 23 Uhr Besuch von der iranischen Polizei. Ich lass es drauf ankommen und weigere mich standhaft, in den Ort zu fahren wo es „sicherer“ sei. Die können mich mal, ich bin saumüde und rühre mich heute sicher nicht mehr von der Stelle! Schlußendlich ziehen die Uniformierten unverrichteter Dinge ab. Alles läuft in freundlicher Atmosphäre ab.

10.4.2018
Die ganze Nacht sind alle halbe Stunde Mopeds und Autos an uns vorbeigefahren. Was zum Teufel ist da los?
Irgendwann bleiben ein paar Leute nahe unserm Nachtplatz stehen und diskutieren. Ich gehe hin und frage mit Händen, Füssen und Google Translator was die da bloss machen, ob sie nach Gold graben oder was.
Ja sagen sie, hier gäb’s ganz schön viel Gold. Na bumm!
Was haben wir für ein Glück. Unser erster Tag im Iran und schon auf ein Goldgräbernest gestoßen! 🙂

Die Polizei kommt dann auch nochmal und erkundigt sich besorgt ob wir letzte Nacht eh nicht ausgeraubt worden sind. Wir machen noch ein paar Späßchen miteinander, ich bedanke mich freundlich dass sie mich letzte Nacht eh nicht verhaftet haben und ich glaube sie sind froh als wir nach unserem ausgedehnten Frühstück endlich abziehen.

Die Strassen werden dann etwas besser, der Verkehr weniger dicht und es geht durch wirklich schöne Landschaften. Optisch-geologisch interessanter als die eher eintönige Osttürkei.
Überall gibt’s Melonen zu kleinen Preisen:

Unsere erste richtige Stadt im Iran ist Tabris, die drittgrößte des Iran mit 1,5 Millionen Einwohnern.
Wir stürzen uns gleich auf den grossen, wunderbar überdachten Basar, der auch heute noch Hauptumschlagplatz für Waren aller Art ist.
Hier einige Impressionen:


Wie gehabt: Überall freundliche Menschen und (fast) alle lassen sich gern fotografieren 🙂

Einfach aber gut und reichlich Essen gehen (Suppe, köstlicher Reis mit Gemüse oder Fleisch, Salat) macht uns um 1,20 Euro pro Person ärmer. Ein leckerer frischer Fruchtshake (400ml) kostet ebensoviel, ist für hiesige Verhältnisse aber schon ein vergleichsweise teurer Luxus.
Ein handgemachter, ofenfrischer Fladen sesambestreutes Brot, mehr als ausreichend für ein 2-Personen-Frühstück, kostet 12 Eurocents.

Ich hab uns zum Übernachten einen schönen, ruhigen Platz gefunden: Blick über die Stadt inklusive.
Es gibt nämlich eine Seilbahn auf den Hausberg von Tabris, den Mount Eynali. Und am Parkplatz der Seilbahn stehen wir.
Ratet mal wer die Seilbahn gebaut hat? Richtig, die Vorarlberger.
Wir gehen trotzdem zu Fuss auf den Eynali, wie übrigens viele Iranis auch. Die Leute hier sind generell viel sportlicher als die Türken oder Araber.
Dazu sei ein ein Hinweis gestattet: Die Iranis sind keine Araber! Sie haben eine andere Sprache, eine völlig andere Kultur (auch im Umgang miteinander – kein Vergleich mit den rauen Sitten der Araber), sind subjektiv betrachtet ein wesentlich „schönerer“ Menschenschlag und bezeichnen sich auch – ohne Nazi-Konnex – als Arier. Viele junge Iranis haben mit dem Islam nix am Hut, fühlen sich durch die Vorschriften der Kleriker total unterdrückt und umgehen diese wo sie nur können. Natürlich gibt es auch Ausnahmen.
Freundlich sind sie alle:

10.4.2018
Mit Mahdi, einem sehr netten Medizinstudenten den wir gestern im Taxi kennengelernt haben machen wir einen Ausflug ins 50km entfernte Bergdorf Kandovan.
Ähnlich wie in Kappadokien (Türkei) haben sich die Leute ihre Behausungen in den weichen Tuffstein gegraben. Schaut für uns Aussenstehende recht malerisch aus, die Menschen leben aber sehr, sehr ärmlich.
Wir kaufen Fruchtgeleeplatten und Rosinensirup, alles sehr gute handgemachte Qualität. Gutes Trink-Quellwasser wird ebenfalls gebunkert.

Danach speisen wir in einem Luxusrestaurant die größten Schaschlikspieße unseres Lebens. Sehr aufmerksame Bedienung: Die haben an unserem Auto draußen am Parkplatz das „Autriche“-Nummernschild gesehen und schon wird eine österr. Fahne auf den Tisch gepflanzt.
Wir futtern wie die Könige und zahlen fast wie Bettler. Wenigstens ein fürstliches Trinkgeld möchten wir geben, stoßen aber nur auf freundliches Köpfeschütteln. Wir hätten eh schon genug gezahlt …

Über Kommentare freue ich mich übrigens sehr (Danke für die bisherigen)! Auch Fragen zu unserer Reise können über die Kommentare gestellt werden, oder per Email an meine bekannte Adresse.

Iran 2018 Teil 3: Ostanatolien

Ich überspringe vorerst unsere Reise (von Plovdiv in Bulgarien durch den Grossteil der Türkei) bis Erzurum in Ostanatolien.
Dieser Teil 2 wird später nachgereicht.

5.4.2018:

Etwa 1500 Kilometer sind wir seit der bulgarisch-türkischen Grenze ostwärts über die Weiten der anatolischen Hochebene nach Erzurum gefahren. Diese Metropole Ostanatoliens liegt auf 1900m Meereshöhe und hat eine halbe Million Einwohner. Wie seit Tagen auch hier herrliches, meist wolkenloses  Wetter: tagsüber etwa 25 Grad warm, in der Nacht mit Minusgraden doch ziemlich kalt. Wir sind nachts und beim Frühstück recht froh über unsere gut funktionierende Gas-Standheizung.

Nur wenige Kilometer außerhalb der Stadt liegt das Schizentrum „Palandöken“, das eigens 2011 für die Universiade errichtet wurde. Im Gegensatz zu den Alpen liegt hier dieses Jahr in der Türkei eher wenig Schnee und das Schigebiet ist bereits geschlossen. Für uns kein Problem, wir haben ja die Tourenausrüstung dabei. Eine erste Erkundung ergibt: Schattseitig eine verharschte, tragende Altschneedecke, darüber eine etwa 2 Tage alte pulvrige Neuschneeschicht. Weit ist es nicht zum 3150m hohen Gipfel des Buyukeider Tepe – nicht mal 1000 Höhenmeter – aber das Gehen tut nach all der Fahrerei echt gut.

Der Aprilpulver staubt:

6.4.2018:
Die Nacht war mühsam: die Hunde die gestern tagsüber so friedlich geschlafen haben, veranstalten in der Nacht ein Höllengebelle. Dabei wäre es sonst so schön ruhig gewesen: nicht mal einen Muezzin hat man hier heroben gehört. Normalerweise ist ja in der Türkei kurz vor 5 Uhr morgens Tagwache, wenn man in Ortsnähe übernachtet. Wir drehen uns dann einfach nochmal im Bett um …

Weil’s gestern so schön war, gehen wir heute nochmal auf den Buyukeider Tepe, nehmen aber eine etwas andere, steilere Route. Ein Pulvertraum!

Nachdem wir dann die Ausrüstung wieder am Auto verstaut haben, fahren wir in die Stadt. In einer Reinigung wird für 15 Lira (3 €) unsere Wäsche liebevoll gewaschen, getrocknet und gebügelt. Inzwischen schlagen wir uns mit der hiesigen Spezialität Çağ Kebab die Bäuche voll: Von einem großen Drehspieß werden kleine Spieße abgezwackt, die mit Salat, scharfer Soße, Joghurt, Zwiebeln und gebratenen Pfefferoni serviert werden. Lecker!

7.4.2018:
Wir lassen uns in Frisiersalons verschönern, kaufen das letzte Bier vor dem Iran (dort kein Alkohol) und fahren weiter ostwärts, in Richtung iranische Grenze. Nach gut 200km machen wir bei heißen Quellen einen Zwischenstop.
Überall freundliche Kurden, die uns bei den Ortsdurchfahrten zuwinken und „Merhaba“ oder „Hoş geldiniz!“ (Willkommen) rufen.

Als wir bei den interessanten, aber wenig zum Baden einladenden heißen Thermalquellen von Diyadin sind, lachen uns herrlich weiße Berghänge an …

… und spontan beschließen wir, noch einen Schitouren-Versuch zu machen. Über eine wilde Schotterpiste schraubt uns der Hilux mit Allrad stundenlang höher und höher in die Berge, vorbei an ärmlichen und trutzigen Bergdörfern, bis auf 2600m kurz vor Einbruch der Dunkelheit endgültig Schluss ist.

Ein paar Kurden begrüßen uns freundlich, fragen was wir in dieser gottverlassenen Gegend wollen und schütteln verständnislos die Kopfe als ich ihnen unser Vorhaben mit Händen und Füßen zu erklären versuche. Es ist aber auch wirklich relativ sinnlos: selbst von hier hätten wir noch weit zu Fuß zu gehen und eine Nacht hier heroben lockt uns nicht allzusehr. So brechen wir ab, nicht ohne über diesen Abstecher ins wilde Kurdistan froh zu sein, es war schließlich ein Erlebnis der besonderen Art.
Wir kurven also wieder ins Tal und suchen ein ruhiges Nachtplätzchen. Irgendjemand hat damit allerdings keine rechte Freude: Das erste mal werden wir von eher wilden Gesellen – 5 Mann hoch – mit Maschinenpistolen kontrolliert und unsere Pässe abfotografiert. Keine Ahnung, ob die von der PKK oder vom Militär waren, sie haben sich nicht vorgestellt. Eine halbe Stunde später – wir hatten gerade geduscht – kommen sie nochmals und ich soll per Telefon mit dem Kommandanten reden. Der erklärt mir in relativ gutem Englisch, es sei eine „dangerous terrorist area“ und wir sollten hier verschwinden. Auf meine Frage ob das ein Rat oder ein Befehl sei, geht er nicht so recht ein 😉 Wir hätten uns jedenfalls sicher genug gefühlt. Schließlich werden wir vom Militär (das war es offensichtlich) aus der „Gefahrenzone“ eskortiert, weitere Diskussion zwecklos.

8.4.2018:
Auf dem Weg zurück zur Hauptstrasse kommen wir morgens an einem Viehmarkt vorbei und schauen uns das natürlich an. Wie zu erwarten sind wir plötzlich die Hauptattraktion, schütteln viele Hände. Als wir dann den Tee zahlen wollen, den wir am Markt trinken heißt es: „Der ist schon bezahlt!“ Kurdische Gastfreundschaft.

Auch sonst viele freundlich-neugierige Begegnungen:

Kurz darauf sehen wir an einem kleineren, nur 2000m hohen Pass zum ersten Mal den Ararat in seiner ganzen Pracht. Ein perfektes Frühstücksplatzerl, wo bei der Gelegenheit wieder mal dieser Blog aktualisiert wird.

Später kommt noch ein Schafhirte mit seinem Sohn (zu Pferd) vorbei und ich muss zum Gaudium der beiden Einheimischen eine Runde reiten. Gottseidank ist das Pferd von sanftem Gemüt …

Es sind nur noch wenige Kilometer bis zur Grenzstadt Dogubayazit, wo wir durch den Markt schlendern aber die Erdbeeren hier sehen nicht besonders gut aus, Sie müssen ja 1500 km aus der Westtürkei angeliefert werden. Viel wichtiger ist uns eh, dass wir unseren Klopapiervorrat hier nochmals aufstocken können. In iranischen Hocktoiletten benutzen die Einheimischen Wasser und die linke Hand 😀.

Anschließend besuchen wir den imposanten Ishak-Pascha-Palast, der im wunderbaren Nachmittagslicht so richtig gut zur Geltung kommt. 

Ausnahmsweise übernachten wir in der Stadt auf einem gebührenpflichtigen Parkplatz mit Blick auf den Ararat … … nachdem wir zu zweit um 5 Euro leckere vegetarische Pide (türkische Pizzavariante) mit Salat, Getränken und Internetzugang konsumiert haben.

9.4.20018

Noch 30 Kilometer bis Iran und der Grosse und der Kleine Ararat begleiten uns:
Unmittelbar vor der türkisch-iranischen Grenze gibt es noch einen Meteorkrater zu besichtigen. Unsere Pässe werden beim Militärposten einbehalten.  Der Krater selbst ist etwas eigenartig. 1920 soll ein Meteor hier eingeschlagen haben, aber wir vermissen die zu erwartenden seitlichen Schockmoränen und dass der Meteor ein senkrechter Loch verursacht haben soll wirkt unnatürlich. Da muss ich noch nachrecherchieren.

 

Zusammenfassung / Reiseinformationen Türkei:

Durch den sehr günstigen Wechselkurs (ca. 1:5) ist die Türkei derzeit extrem preiswert. Diesel kostet zwischen 4.75 und 5,40 TL – also ca. 1 Euro. Essen und Getränke ebenfalls spottbillig, ähnlich wie in Serbien und Bulgarien. Bezüglich Sprachbarriere hat sich ausserhalb der Touristenzentren am Mittelmeer nichts geändert: Keinerlei Fremdsprachenkenntnisse, nicht mal von jungen Leuten z.B. in Mobilfunkläden, wo man ein wenig Englisch erwarten würde.

In Richtung Osten so gut wie keine Polizeikontrollen auf den Hauptstrassen, auf der Gegenfahrbahn haben wir solche oft beobachtet. Im Kurdengebiet wildes übernachten zum Teil nicht geduldet. Nächtliches Hundegebell praktisch überall und extrem nervig. Die Bevölkerung ist sehr freundlich, mit vereinzelten Ausnahmen in Istanbul. Alle Schnellstrassen (keine Maut!) in hervorragendem Zustand, abgesehen von kurzen Abschnitten östlich von Erzurum. Jedenfalls generell wesentlich besserer Fahrbahnzustand als österreichische Autobahnen! Geschwindigkeitsbeschränkungen können getrost ignoriert werden. Sie sind teilweise völlig sinnlos bzw. unverhältnismäßig, Radarkontrollen haben wir kaum gesehen.

In der Osttürkei wird generell viel Infrastruktur-Investitionsaufwand betrieben, z. B. Staudämme zur Bewässerung und Energiegewinnung. Was nach wie vor absolut fehlt ist ein Umweltbewusstsein (massives Müllproblem).

Versorgungslage: Alles gut und günstig erhältlich, auch importierte mitteleuropäische Produkte. Nur als Beispiel z. B. in Migros-Märkten Barillanudeln und Rotweine zu Preisen etwa wie in Mitteleuropa.