März 2019: Sudan, Teil 2

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SUDAN – TEIL 2

7. März 2019
Wir starten frühmorgens zu einer 15km Wanderung Richtung Westen um schöne Felszeichnungen am Fuß des Hassanein-Plateaus zu sehen.
Zuerst geht es raus aus dem Wadi auf ein Plateau mit erstaunlichen Versteinerungen.

Wenn man im Meer schnorchelt, sieht man doch wenige Meter vom Ufer am Sandboden immer so Mini-Dünen. Also am Meeresboden, im Wasser. Weißt Du was ich meine? Und genau diese „Riffelungen“ sind hier versteinert und ganze Platten aus Sandstein-„Beach“ aus dem Paläozoikum liegen einfach so hier rum. Die Versteinerungen sind aus dem Devon-Zeitalter, also etwa 330.000.000 Jahre alt! Manche Geologen behaupten, es wären sogar 450 Millionen Jahre. Wie auch immer:
Drei.
Hundert.
Dreissig.
Millionen.
Jahre.
Irre!

Mehr zur Geologie des Gebietes findet man auf dieser Webseite.

Was sind dagegen 7000 Jahre alte Felsbilder? Als wären sie erst gestern entstanden.

8. März 2019
Es ist weiterhin relativ kühl (morgens so knapp 10°C) und wir wissen nicht we lange diese guten Wanderbedingungen anhalten werden. Daher starten wir schon heute das Projekt „Nordplateau-Erstbesteigung“.
Die einzelnen Expeditionen im Uweinatgebirge sind sehr gut dokumentiert. Daher weiß man, dass das Nordplateau in der Neuzeit bisher noch nie bestiegen wurde. Wir hoffen dabei auch auf einige unentdeckte Felszeichnungen zu stoßen.
Nicht die alpinen Herausforderungen stellen das Problem bei dieser Tour dar, es ist vielmehr die Logistik: Wir müssen 2x biwakieren, das heisst wir schleppen Ausrüstung, Verpflegung und vor allem Wasser für 3 Tage Hardcore-Wüstentrekking im Rucksack. Dazu kommt, dass es natürlich keine Wege gibt. Wir müssen uns die besten Passagen durch Schluchten und über hausgroße Felsblöcke erst selbst suchen.

Bildergalerie Trekking Nordplateau, Tag 1
(beschreibende Texte erscheinen beim Maushovern bzw. in Vollansicht unter den jeweiligen Bildern):

Die Karte ist zoom- und verschiebbar.

Brauner Track: Zustieg am 8. März 2019
Grüner Track: Aufstieg aufs Nordplateau am 9. März 2019
Gelber Track: Abstecher an die Libysche Grenze am 9. März 2019
Blauer Track: Rückweg am 10. März 2019

9. März 2019
Es war eine ziemlich kalte, sternenklare Nacht in unserem Biwak auf 1360 Metern Seehöhe. Die Milchstrasse erschien zum Greifen nahe und es waren Millionen Sterne zu sehen.

Das Frühstück hingegen fällt eher bescheiden aus.

Zum Aufwärmen marschieren wir gleich los.

Gleich oberhalb unseres Biwaks gibt’s schon die nächsten Felszeichnungen unter einem Felsvorsprung:


Auch ein Reibestein liegt hier noch rum:

Ab hier sind wir auf unerforschtem Gelände und wir suchen uns zwischen Felsblöcken und kleinen Sandsteinebenen einen Weg in Richtung zum höchsten Punkt.

Es gibt nicht mehr viele weiße Flecken auf diesem Planeten. Ich fühle mich sehr privilegiert, gemeinsam mit meinen Mitreisenden eine – wenn auch alpinistisch unwesentliche – Erstbesteigung machen zu dürfen.
Am höchsten Punkt des Nordplateaus am Jebel Uweinat. Einen Namen hat bisher weder das Plateau noch der Gipfel:

Und wäre das alles noch nicht großartig genug, entdecken wir auch noch „neue“ Felszeichnungen.

In der Nähe findet Gabor eine wunderbare, perfekt erhaltene Steinaxt. Während man in der Zentral- und Westsahara diese Utensilien öfters finden kann, sind solche Funde in der Ostsahara sehr selten.

Wir können uns zufrieden wieder an den Abstieg machen.

Weil wir so nahe an der mit dem Lineal gezogenen libyschen Grenze sind, wollen wir da noch schnell hinschauen. Einfach nur aus Spaß an der Freud‘.
Es geht erst über eine mit kopfgroßen Steinen übersäte Ebene …

… dann durch ein geologisch interessantes kleines Wadi …
… und schließlich bauen wir nach GPS-Konsultation unsere kleine „Grenze“ auf 🙂

10. März 2019:
Wir starten wie üblich frühmorgens, es geht heute die 12,5 km zurück zum Basislager.


Danach ist wohl jeder froh, wieder „zuhause“ in Karkour Talh zu sein. Die 3 Tage in den Bergschuhen waren schon recht anstrengend.
Hier ein Link zum virtuellen Rundblick im Basislager: Klick! (Verschieb- und zoombar).

FORTSETZUNG FOLGT

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