Transafrika – Teil 5: Kuwait und Saudi-Arabien

Zum Kapitel 1 mit allgemeinen Überlegungen zur Routenwahl, Griechenland und Westliche/Zentraltürkei: Transafrika: Ein Versuch
Zum Kapitel 2: Transafrika – Teil 2: Türkei zwischen Euphrat und Tigris
Zum Kapitel 3: Transafrika: – Teil 3: Nordirak (Kurdistan)
Zum Kapitel 4: Transafrika: – Teil 4: Zentral- und Südirak

25.11.2022 (Fortsetzung):
Aus dem Irak kommend, ist das kuwaitische Zoll und Immigrationsbüro wie von einem anderen Stern. Waren es auf irakischer Seite lieblose, verdreckte Containerbüros, warten hier nach dem Einreisebüro …

… beim Zoll weiche Sessel, ein arabischer, stark mit Kardamom gewürzter Kaffee und Datteln auf mich.
Den Kaffee trinke ich eigentlich nur aus Höflichkeit den ausgezeichnet Englisch sprechenden Beamten gegenüber, er ist aber gar nicht schlecht. Ich bin so erleichtert endlich den Irak hinter mir zu haben, ich hätte auch Abwaschwasser getrunken und dazu ein freundliches Gesicht gemacht 🙂

Das Fahrzeug wird aufwändig geröntgt, aber mein Feuerwasser finden die Zöllner nicht. Dann bin ich nach einer weiteren guten Stunde in Kuwait. Das ging besser als befürchtet!

Ich fahre nur ein paar Kilometer, dann biege ich von der ausgezeichnet geteerten Strasse ab und stelle mich einfach irgendwo in die Wüste. Ich bin erschöpft, aber froh und trinke erstmal einen auf das gut überstandene Abenteuer Irak.

26.11.2022:
Die Nacht war mit 17 ° C relativ warm, am nächsten Morgen sehe ich erst wo ich hier bin.

Die ersten hundert Kilometer wird die Straße immer besser, es gibt praktisch Null Verkehr, aber erst drei, dann 5 Fahrspuren in jede Richtung.
Ein Wegweiser nach Kuwait-City: Jetzt fühle ich so richtig, dass ich auf der Arabischen Halbinsel angekommen bin. Jippeeee!

Als erstes mal Geld abheben, eine SIM-Karte holen und Tanken. Ich fahre in die erste Stadt nach der Grenze und alles sieht so „normal“ aus. Relativ (!) sauber, auf jeden Fall geordnet und geregelt. Kein Chaos, das tut gut.
Diesel kostet hier – ähnlich wie im Irak – umgerechnet etwa 0,36 €/Liter. Ansonsten sind die Preise für Lebensmittel und dgl. vergleichbar mit dem Preisniveau bei uns. Bio-Lebensmittel sind nicht sehr leicht zu bekommen und sehr teuer. Bioeier z.B. kosten zwischen 0,70 und 0,90 € pro Stück.
Geld bekommt man beim Bankomaten und man kann auch oft mit Kreditkarte zahlen. Das war im Irak alles nicht der Fall, da wurde nur Barzahlung akzeptiert.

Je näher ich Kuwait City rücke, desto dichter wird der Verkehr. Ich stehe im Stau und geniere mich mit dem vom Irak noch völlig verdreckten Luxi. Da muß eine Waschanlage her! Aber das ist nicht so einfach, Self-Service gibt’s hier nicht denn alle manuellen Arbeiten werden hier von indischen und pakistanischen Gastarbeitern erledigt. Die Einheimischen sind dank des sprudelnden Öls stinkreich und würden sich niemals die Finger schmutzig machen. Übrigens: Autoversicherungen sind hier nicht obligatorisch, denn bei einem gröberen Schaden kauft man sich einfach ein neues Auto.

Das sind die hiesigen Wasserspender. In der Stadt gibt’s an jeder Ecke gratis gekühltes Wasser, auf Überlandstrecken alle paar Kilometer:

In einem Carrefour Supermarkt kaufe ich ein, dann stelle ich mich an einen ruhigen Platz am Meer in Sichtweite der Stadt wo rosa Pelikane im Schlick nach Würmern und Krebsen fischen um auszurasten, zu verschnaufen und die nächsten Tage zu planen.

Durch die verhinderte Einreise bei Ar’ar muss ich alles neu planen und werde wohl die Arabische Halbinsel nicht gegen sondern im Uhrzeigersinn abfahren. Also zuerst Oman, dann erst den Westen Saudi-Arabiens.

Apropos Pläne: Schlechte Nachrichten bezüglich der Weiterreise nach Afrika. Derzeit ist die Fahrt vom Sudan durch Äthiopien faktisch unmöglich, weil die Äthiopier das Carnet de Passage neuerdings nicht akzeptieren und der Fahrzeugwert in bar US$ (!) bei Einreise hinterlegt werden muss. Das Geld an einer anderen Ausreisegrenze zurückzubekommen ist unmöglich. Derzeit sitzen an der sudanesisch-äthiopischen Grenze bei Metema alleine elf Motorradreisende fest.
Das heißt bei unveränderter Sachlage für mich, dass ein Verschiffen wie geplant von Saudi-Arabien nach Port Sudan wenig Sinn macht wenn ich dann vom Sudan nicht weiterkomme. Das ist noch ein paar Monate bis das Thema für mich persönlich aktuell wird. Bis dahin hat sich das Problem hoffentlich gelöst, insh’allah.
Mal sehen, flexibel bleiben.

27.-30.11.2022:
Die Tage vergehen unter anderem mit gut essen gehen (ausgezeichnete Restaurants, relativ günstig) und langen Spaziergängen durch eine Stadt, die zu 100 % auf Autofahrer zugeschnitten ist. Für Fußgänger hat man hier nicht viel Planungs-Hirnschmalz investiert und so enden Gehwege – wenn sie existieren – oft unvermittelt vor einem 8spurigen Highway oder einer Mauer.
Umso angenehmer sind die Parks von Kuwait City: Wunderschön angelegt, blitzsauber, mit eigenen Joggingstrecken und Sprühnebelanlagen um die Fußwege im Hochsommer zu kühlen. Jetzt im Winter bei maximal 30°C sind die natürlich nicht aktiviert.

Die Wassertürme der Stadt sind ebenso wie die architektonisch großartigen Gebäude einen zweiten Blick wert:

Auf die Wassertürme kann man mit dem Lift rauffahren um die Stadt von oben zu besichtigen. Oben gibt’s natürlich ein Restaurant und Cafés.
Ich bleib‘ lieber am Boden und plaudere mit ein paar Fischern, die hier im seichten Wasser mit einem Wurfnetz kleine Fische fangen, die dann nachts als Köder für die richtig großen Fische dienen. Der Persische Golf scheint noch immer sehr fischreich zu sein.

Dann schau ich mir den Fischmarkt in der Nähe an, der sogar jetzt am Nachmittag noch große Auswahl bietet:

Ich hätte mir ja gedacht, dass außerhalb der Stadt die Shoppingmalls und Restaurants schön langsam ausdünnen würden. Aber nichts dergleichen. Über -zig Kilometer ziehen sich die Konsumtempel hin, immer wieder werden die etwas älteren Malls abgerissen um noch neueren, schöneren, bombastischeren Platz zu machen. So gesehen bedient Kuwait das Klischee des ölreichen Wüstenstaats perfekt, wo diejenigen die das Glück hatten hier geboren zu sein hauptsächlich nachdenken wo und wie sie ihre Kohle ausgeben können.
Auf der anderen Seite die Inder, Pakistani und Afghanen, die die Arbeit machen und zwar nicht schlecht leben aber doch zum Teil weit unterhalb in der Hierarchie stehen. Ich habe aber auch offensichtlich sehr wohlhabende Inder getroffen. Extrem freundlich, weltoffen und vom Status her den Kuwaitis nicht unähnlich.

Ich werde überall uneingeschränkt herzlich begrüßt, trotz meines nicht immer ganz passenden Outfits. Man sollte hier eigentlich immer pipifein gekleidet sein und gut riechen, denn jederzeit kann man spontan eingeladen oder in ein nettes Gespräch verwickelt werden. Die Kuwaitis legen in Bezug auf Kleidung und wohlriechend die Latte verdammt hoch. Es fällt sehr auf: Überall duftet es unaufdringlich und wirklich sehr angenehm. Parfümerien sind in den Shopping Malls überdurchschnittlich stark vertreten.

Eines der interessanteren Museen hier ist die Ahmad Al-Jaber Oil & Gas Exhibition, wo in sehr gediegenem Setting (beim Empfang Original Dallmaier Kaffee 🙂 ) die Geschichte und Technik der Ölförderung hier in Kuwait thematisiert wird. Am Empfang, sprich Ticketverkauf sitzen 4 Damen. Ich bin der einzige Besucher und darf nicht zahlen.
Natürlich kommt auch die ökologische Katastrophe nach dem Überfall Saddam Hussains in den 1990ern zur Sprache und die technische Herausforderung, die nach dem Abzug der irakischen Truppen in Brand gesetzten Ölfelder wieder zu löschen.
Sehr beeindruckend, informativ und sehenswert. Das Museum wurde von einer britischen Firma designed und errichtet, um schlappe 20 Mio. US$. Dafür spielt es alle Stückl’n, mit 4-D-Vorführungen und Hologrammen.
Dazu werde ich von zwei sehr kundigen Mädels durch die Ausstellung geführt, alle meine Detailfragen werden kompetent beantwortet. Ich bin schwer beeindruckt.
Natürlich darf bei alldem das ökologische Desaster der Ölförderung nicht außen vor bleiben. Es wird in der Ausstellung thematisiert und betont, man bemühe sich und es gibt tatsächlich Fortschritte (z.B. das Gas-Abfackeln wird eingestellt), aber wir wissen alle wie es de facto darum bestellt ist. Allerdings auch kein Vergleich mit anderen Ländern wo es viiiiel schlimmer ist.

Ich fahre dann entlang großer Raffinerieanlagen…

… nach Süden in Richtung Saudi Arabien. Groß ist Kuwait ja nicht, etwa 200 Kilometer von Nord nach Süd.

Kurz vor der Grenze will ich mir einen Strand ansehen. Aber die gesamte Küste ist lückenlos mit privaten Villen bebaut. Man kommt nicht ans Wasser.

Na gut, dann fahre ich eben heute schon über die Grenze. Trotz relativ vielen Verkehrs ist in eineinhalb Stunden alles erledigt.
Erster Stop nach der Grenze: Eine Tankstelle. Der Liter Diesel kostet hier – haltet euch fest – 0,16 Euro. Das heißt um 8 Euro kann ich Luxi mit 50 Litern volltanken.
Kein Wunder, dass man hier keine Elektroautos sieht!

01.12.2022:
Ich bin in Saudi-Arabien. Ein schönes Nachtplatzerl am Meer habe ich gestern problemlos gefunden und die Sonne geht malerisch über dem Persischen Golf auf:

Der halbe Tag geht damit drauf den Blog upzudaten und Geld zu wechseln. Für ersteres werde ich vom Manager einer nagelneuen, riesigen Shoppingmall in sein Büro gebeten. Er hat mich am Parkplatz stehen gesehen, sofort ein paar Befehle an die Gastarbeiter gemurmelt und ich war ruck-zuck mit Tee, herrlichsten Datteln und Gebäck versorgt.
Anm.: Wegen der kurzen Tage und relativ hohen Temperaturen liefern meine Solarpaneele am Luxi-Dach derzeit gerade genug Strom um den Kühlschrank 24 Stunden laufen zu lassen. Mit dem Laptop auch noch zu arbeiten wird dann immer ein bisserl knapp. Deshalb bin ich froh um die Steckdose im Managerbüro und natürlich auch dankbar für die gastfreundliche, zuvorkommende Bewirtung.
Hab‘ ich eigentlich schon erzählt, wie freundlich die Leute hier überall sind? Ja? Ach so 🙂

Kaum bin ich wieder beim Auto, werde ich schon wieder angesprochen: Ob ich irgendetwas brauche, fragt mich ein Einheimischer. Wo denn die nächste Bank sei, ich wolle Geld wechseln erwidere ich. Mir bleibt keine Wahl, der nette Herr besteht darauf, dass ich in sein Auto hüpfe und wir fahren zur Bank. Es ist mir unangenehm, dass er mit mir so lange warten muss (1. Dezember, eine lange Schlange Gastarbeiter schickt Geld nach Hause) aber er winkt ab. „No problem!“ und wir unterhalten uns wirklich sehr nett während wir warten. Die Einladung zum Mittagessen ist fast obligatorisch, das kann ich mit Müh‘ und Not abwenden. Nach Happy Saudi Chicken steht mir grad nicht der Sinn :).

Lieber gehe ich zum Friseur, das ist schon überfällig. Auch hier viel Spaß mit dem Bangladeshi Barbier.
Ich bin die Attraktion der Umgebung.

Dann endlich ein paar Kilometer machen. Es geht nach Süden…

…die Landschaft ist fast eben und wird kurzfristig eintönig …

Dann wieder mal Kamele neben der gut ausgebauten Autobahn:

Ich denk mir: einmal möcht‘ ich ein paar Stunden am Meer verbringen und biege nach Osten ab. Ich finde ein nettes Platzerl, leider ist der Strand aber ziemlich mit Plastik vermüllt. Schade!

Ich bin grad dabei mir einen feinen griechischen Salat mit viel Knoblauch zu richten, da hat sich auch schon ein Militärjeep neben den Luxi gestellt. Ich solle hier wegfahren, „restricted area“! Mensch, hört denn das gar nicht mehr auf hier? Die Jungs sind nett, haben aber ihre Befehle. Können ja nix dafür.
Ich lass mir aber Zeit beim Essen, solange müssen sie schon warten. Ob sie den angebotenen Salat mit steirischem Kernöl und Balsamico dann wirklich gegessen oder unauffällig hinter einer kleinen Stranddüne verbuddelt haben, ist mir auch egal 🙂
Pass und Autopapiere werden mir abgenommen, ich folge den beiden zum Camp. Dann wird die Sache schon wieder interessant, denn nachdem ich mit arabischem Kardamom-Kaffee und Dattelkonfekt (lecker!) versorgt bin…

… kriege ich erst so richtig mit was hier Sache ist:
Die Soldaten kontrollieren hier die lokalen Fischer, denn offenbar werden entlang der Küste Drogen aus dem Iran herübergeschmuggelt. Die Fischer müssen jede Kiste langsam ausleeren, es wird sehr genau kontrolliert.

Deswegen wollten die auch nicht, dass ich am Strand stehe, wegen der Drogenschmuggler!

Ich bekomme dann für die Nacht noch einen speziellen Genehmigungsschein vom Chef hier, aber ich soll wo anders hin. Soldaten begleiten mich und zeigen mir einen ruhigen Platz bei einem ehemaligen, verlassenen Fischerdorf. Meine Papiere hab‘ ich auch wieder, passt.

02.12.2022:
Überall an der Küste wird nach Öl gebohrt und Pipelines verlegt:

Für die Einheimischen sind aber Camps der touristische Renner. Heute am Freitag fahren viele Saudis aus der Stadt ‚raus auf’s Land, sprich: in die Wüste und vergnügen sich mit Kamelreiten und Quad-Fahren. Überall verteilt stehen die traditionellen Beduinenzelte aus Kamelhaar mit dutzenden Quads und Geländewagen davor.
Manchmal muss ein kleines weißes Kamel von Camp A nach Camp B gefahren werden:

Aus gefühlt jedem dritten Auto werde ich freudig begrüßt, es wird gewunken und bei voller Fahrt Fotos geschossen und Getränke und Snacks herübergereicht.

Apropos einheimischer Tourismus: In einer der Kleinstädte die ich durchfahre gibt es einen richtigen Touristenmarkt, mit Beduinenschnickschnack und getrockneter Kamelmilch:


Nebenan gibt’s alles was ein Campbetreiber so braucht, z.B. große Wasserblasen für die Kamele:

An die vollverschleierten Supermarktkassiererinnen muss ich mich erst gewöhnen:

Die Städte sind übrigens allesamt recht herausgeputzt. Meist mit aufwändigen Ortseinfahrten, bewässertem Rasen als ob das mitten in der Wüste normal wäre und „künstlerisch“ gestalteten Kreisverkehren:


Man hat sich in Saudi-Arabien für die Tourismus-Agenda „Vision 2030“ ordentlich was vorgenommen, in 7 Jahren will das Land touristisch zu den ganz Großen zählen.

Für mich tut’s ein ruhiges Platzerl in der Wüste auch. Entweder so wie hier in der Einsamkeit und Weite …

… oder für die Nacht mit nettem Sandsteinfelsen.


03.12.2022:
Heute ist mal Wüstenabenteuer angesagt. Ich hab‘ gestern Abend Satellitenbilder studiert und mir anhand dieser eine kleine Route zusammengestellt. Mal schau’n wie es das dann vor Ort wirklich aussieht. Ich biege also von der Autobahn ab und lasse ordentlich Luft aus den Reifen. Erst gibt es noch eine kleine Piste, diese verliert sich aber bald unter kleinen Sanddünen. Es ist herrlich, mal wieder so einfach aufs Geratewohl in die Gegend zu fahren! Die Gegend ist wunderschön. Es gibt kleine, stark erodierte Sandsteinfelsen – Zeugen längst vergangener Epochen.

Ein paar harmlose Wüstenbewohner sind auch da, von manchen sehe ich nur Spuren:

Die Gegend wird mit jedem Kilometer immer großartiger. Ich hätte es mir nicht besser erhoffen können! Luxi flitzt trotz des schweren Wohnaufbaus am Buckel nur so übers Gelände, jetzt ist der Hilux in seinem natürlichen Habitat.
Der Sandstein ist hellbeige, fast weiß. Die in die Hügel eingewehten goldsandigen Dünen ergeben mit den Felsen zusammen ein stimmiges Bild.
Das ist die Landschaft, von der ich zuhause geträumt habe. Das sind die Momente für die ich die Tage im Irak auf mich genommen habe. Ich wußte, so etwas würde kommen – jetzt bin ich endlich da.

Als dann noch eine Herde Kamele auftaucht, bin ich endgültig happy.

Ich gehe auf Entdeckungsfahrt, erforsche die Dünen, Täler, Canyons und Felsnasen.
Ein schönes Nachtplatzerl findet sich dann auch. Ich hab‘ nur die Qual der Wahl.

Nachts kühlt es auf angenehme 15 °C ab.
Die Wüstenstille ist absolut und wunderbar.
Das Mondlicht auf den Felsen tut sein übriges.

04.12.2022:
Weiter geht die Fahrt in der herrlichen Landschaft. Heute ist es windstill, um 8 Uhr ist es daher schon warm genug für kurze Hose und T-Shirt.
Nach etwa einer Stunde – ich habe gerade eine Herde Kamele mit ihrem Hüter getroffen – überholt mich ein Fahrzeug. Der Einheimische hatte mich in der Entfernung gesehen, ist mir nachgefahren und bittet mich in sein ein paar Kilometer entferntes Camp auf Tee und Datteln. Weil ich ein höflicher Mensch bin sage ich nach kurzem Zögern zu. Außerdem interessiert es mich wie hier die Kamele gezüchtet werden.
Der Saudi spricht einigermaßen Englisch, ein bisschen besser als ich Arabisch.
Er und sein 60jähriger Vater besitzen die Kamele. Sie leben in einem riesigen Wohnanhänger, der alle paar Wochen an eine andere Stelle gefahren wird, je nachdem wo es grad ein wenig Futter für die Tiere gibt. In die Wüste getrieben und gefüttert, gemolken etc. werden die Kamele von einem sudanesischen und einem somalischen Gastarbeiter, die in einem geräumigen Zelt leben.
Das bisschen Gras das hier natürlich wächst ist bei weitem nicht ausreichend als Futter. Riesige Ballen Heu werden ebenso wie das Wasser mit LKWs angeliefert. Die Tiere werden für Milch und Fleisch gehalten und „weil sie einfach schön sind“. Es sind keine Rennkamele.

Alle sind sehr nett und ich muß einmal auf dem Kamel reiten 🙂

Irgendwo in der Wüste habe ich bei einem pittoresken Felsen Internetempfang. Woher der kommt weiß nur Allah.
Ich nutze die Gunst der Stunde und update den Blog.

Danach quere ich ein weites Wadi. Von den Satellitenbildern her war mir nicht klar ob das sehr weichsandig sein würde. Aber es ist ein gut tragendes, fast hartes Reg, wie ich es aus weiten Teilen der Sahara kenne.
Dann erscheinen am Horizont Bäume und beim Näherkommen sehe ich auch einen Zaun. Eine riesige Fläche ist eingezäunt, hier werden wohl viele Kamele gehalten. Ich verkrümle mich in ein einsames Seitental wo ich eine Nacht mit Mond, dem rot leuchtenden Mars und verblichenen Kamelgebeinen verbringe. Die Knochen eines Kamels sind übrigens verdammt schwer!

05.12.2022:
Noch einmal genieße ich den einsamen, kühlen Morgen.
Luxi ist vom Morgentau tropfnass.

Auf der Suche nach weiteren landschaftlichen Highlights treffe ich auf eine Gruppe toter Kamele. Die liegen noch nicht allzu lange hier, aber die Wüstenfüchse und Hyänen (so es hier welche geben sollte) oder andere Raubtiere haben die Weichteile schon verzehrt.

Ich kontrolliere meine eigenen Wasservorräte und erkenne, dass ich noch einen Tag lang durchkomme bevor ich ein ähnliches Schicksal erleide.
Also weiter mit dem Erforschen bizarrer Sandsteinformationen! Manchmal muß ich unter umgestürzten Felsen durchkriechen bevor ich tiefer ins Wadi eindringen kann.
Macht Spaß!

Dann komme ich schön langsam in die Zivilisation zurück. Bemerkbar macht sich das durch den vermehrt auftretenden Müll. Ich sammle zwei große Säcke davon ein, dann komme ich zum „Judah Thumb“, einem markanten Felsen mitten im breiten Wadi Judah.

Hier treffe ich auf ein ausgesprochen nettes holländisches Pärchen in ihrem Landrover.
Wir plaudern angeregt und tauschen Erfahrungen und Pläne aus.

06.12.2022:
Kurz nach dem Judah Thumb Felsen erreiche ich die Oase Judah.
Wer möchte, kann sich hier einen Palmengarten kaufen (das rote Schild sagt „Farm zu verkaufen“). Ich habe nicht nach dem Preis gefragt 🙂

Als ich gerade bei der Moschee Wasser tanke (bei einer Moschee gibt’s immer Wasser, wegen der vor dem Beten obligatorischen Waschungen) kommen ein Dutzend Scheichs aus dem Gebetshaus. Großes Hallo und sie treffen sich immer nach dem Gottesdienst auf einen Kaffee, ich soll unbedingt mitkommen.
Nette Einladung, aber das ist wie wenn bei uns die Kirchgänger einen Araber am Sonntagvormittag zum Frühschoppen einladen würden. Ich hab grad keine Lust auf so viel Gesellschaft und im-Mittelpunkt-stehen, also lehne ich herzlich dankend mit einer kleinen Notlüge ab.

Ich mache heute lieber noch ein paar Kilometer Richtung Hauptstadt Riad (nicht zu verwechseln mit der gleichlautenden oberösterreichischen Metropole 😉 ), nachdem ich meine Pläne für die Arabische Halbinsel wieder mal über den Haufen geworfen habe:
Ich werde diesmal den Oman auslassen, mich in den nächsten 2 Monaten ganz auf Saudi-Arabien konzentrieren und Anfang Februar nach Hause fliegen. Luxi bleibt hier, der Oman kann auch bis Spätherbst 2023 warten. Dann geht die Reise Richtung Afrika weiter. Vielleicht hat sich bis dahin auch schon eine Lösung mit dem Äthiopenproblem aufgetan.

07.12.2022:
Gestern nahe der Autobahn ein ruhiges Plätzchen in der Wüste gefunden und heute morgen gehe ich ein bisserl zum Spielen in die große Sandkiste. Manchmal brauchen wir Männer das.

Dann weiter auf der gut ausgebauten Autobahn nach Riad, immer wieder von Sanddünen begleitet.
Was bei uns der Schneepflug ist, ist hier der Sandbagger.

Tankstellen hat’s hier nur alle paar hundert Kilometer, der Spritpreis zaubert ein Lächeln ins Gesicht.
Beim Öl nachfüllen wird Luxi von einem Saudi von links und einem anderen von rechts fotografiert. Das muß man auch erstmal schaffen, so populär zu sein. Luxi ist sowieso mein Held dieser Reise, soooo brav!
Und dann Riad. Nach den Tagen in der kargen Wüste ist hier wieder alles im Überfluss vorhanden.

Stay tuned … Fortsetzung folgt in ein paar Tagen

DIESER BEITRAG WIRD DERZEIT LIVE BEARBEITET !!!

Die folgende Karte beinhaltet die bisherigen Fahrten (lt. GPS-Aufzeichnung).
Die Karte ist zoom- und verschiebbar.