Reisetagebuch 2018, Teil 16: Verurteilt im Namen des Volkes!

Hier geht’s zurück zum Teil 15 des Reisetagebuches.

16.-20.06.2018:
Wir haben die Grenze von Georgien in die Türkei problemlos überquert…


… jetzt fahren wir entlang der Schwarzmeerküste Richtung Westen.

Die Landschaft ist geprägt von schier unendlichen Haselnussplantagen. In einer davon finden wir nach ziemlicher Bergauf-Kurverei über enge Sträßchen und kleine am Hang klebende Dörfer einen Übernachtungsplatz mit Meerblick und schönem Sonnenuntergang.

Unverkennbar: Es ist Wahlkampf in der Türkei.

Ein paar schöne Badeplätzchen finden wir auch, das Wasser ist fein warm und sauber.

Lange halten wir uns aber nicht auf, die kurvenreichen und mühsamen bergauf- und ab Strecken direkt am Schwarzen Meer westlich von Samsun spare ich mir, obwohl dort noch einige sehr schöne Strände sein sollen. So sind wir schon nach wenigen Tagen in Istanbul, wo wir die imposante Brücke über den Bosporus überqueren – wie schon vor einigen Jahren auf unserer Syrien/Jordanienreise.

Natürlich gibt’s den unvermeidlichen Stau in der Millionenmetropole aber den nehme ich in Kauf, denn eines haben wir in Istanbul noch nie gesehen: Das Choramuseum mit den Mosaiken und Fresken. Und das müssen wir natürlich schon noch besichtigen.

Dann geht’s recht schnell durch die Westtürkei bis Edirne wo wir nochmal einkaufen und dem Hilux ein Service angedeihen lassen.
Schwupps sind wir schon in Bulgarien. Hier halten wir uns diesmal nicht auf und auch durch Serbien düse ich – entlang von herrlichen Sonnenblumenfeldern – so zügig durch wie es der 31 Jahre alte Hilux halt zulässt :).

22.06.2018:
Bei der Ausreise aus Serbien passiert mir ein kleines Mißgeschick: Auf Aufforderung der Zollbeamtin (Kontrolle) fahre ich rechts ran. Dabei schert das Heck ein klein wenig aus und das Alublech vor dem Zollhäuschen wird vom Heck des Wohnaufbaus heruntergerissen.

Der Schaden ist minimalst und ich biete an, das Ganze gleich an Ort und Stelle mit meinem Bordwerkzeug in Ordnung zu bringen. Den Winkel ausbiegen und das Alubleck wieder anzuschrauben würde vielleicht 10 Minuten dauern.
Aber da habe ich nicht die Rechnung mit den Serben gemacht: „Njet!“

Was folgt ist eine surreale, ja kafkaeske Prozedur, in der ich verhört werde, einen Alkoholtest machen muss und nach 5 Stunden (!) Protokollaufnahme endlich einer Richterin vorgeführt werde.
In einem Schnellprozess werde schließlich ich „Im Namen des Volkes“ zu einer Geldstrafe verurteilt! Zusätzlich muß ich die Gerichtskosten (inkl. Dolmetscher) tragen.
Was in jedem Rechtsstaat eine Versicherungsangelegenheit wäre (es war ja keine Absicht und ich hatte 0,0 Promille) wurde hier zu einer Strafsache gemacht.
Der Witz dabei war, dass man einfach ein Verkehrsvergehen konstruiert hat: Mein rechts ranfahren war angeblich illegal, obwohl ich genau dazu von der Zollbeamtin aufgefordert worden war.
Später erfuhr ich, dass der Zollchef einfach unbedingt wollte, dass ich verurteilt werde. Und die „unabhängige Justiz“ Serbiens ist diesem Wunsch nur zu gerne nachgekommen.

Alles in allem hat die Sache fast 7 Stunden gedauert. Schreiduelle mit den Polizisten inklusive.
Nebenbei hat man Heidi die währenddessen an der Grenze gewartet hat, dort auch noch Leitungswasser verweigert.

Bye bye Serbja!

Entlang der Drava (Drau) geht’s dann mautfrei durch Kroatien und Slowenien und am Samstag den 23. Juni 2018 sind wir wohlbehalten wieder zuhause.
Die vielen Eindrücke muß ich erst verarbeiten, es war jedenfalls eine der eindrücklichsten Reisen die ich je machen durfte.

Es waren genau 3 Monate, in denen ich insgesamt 15.030 Kilometer gefahren bin. Kein einziges Mal waren wir auf einem Campingplatz, bis auf Serbien hatten wir eigentlich nur grossartige, positive Erlebnisse. Ok, von zeitweiligem nächtlichen Hundegebell mal abgesehen 🙂

Hier die Rückreiseroute (wie alle Karten in diesem Blog ist auch diese zoom- und verschiebbar):

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