Teil 2 – Von Etosha in den Süden Namibias
Zurück zu Teil 1: Anreise und der Norden NamibiasLETZTES UPDATE: 06.12.2025
Samstag, 22.11.2025
Heute darf Heidi ausschlafen. Bis nach Sonnenaufgang.
Auf einem kleinen Spaziergang rund ums Camp und das alte Fort von Namutoni finde ich derweilen Tiere, die sonst eher keine Beachtung finden.

Die Stabheuschrecken und Geckos sollen Erwähnung finden, schließlich sieht man sowas in Mitteleuropa selten.


In aller Ruhe checken wir aus dem Nationalpark aus.
Wir hatten eine großartige Zeit hier. Die Tierbeobachtungen waren sensationell, wir sind extrem dankbar für die wunderbaren Erlebnisse, die wir haben durften.
Auf der Negativseite: Die Infrastruktur des Nationalparks ist teilweise in echt schlimmem Zustand, die Pisten und die Camp-Sanitäranlagen werden so gut wie nicht gewartet.
Seit unserer letzten Namibiareise vor 17 Jahren wurde nichts erneuert, soweit wir das beurteilen können. Im Gegenteil: Die Tankstellen im Park sind nicht mehr in Betrieb.
Kurz hatten wir überlegt, noch weiter nach Nordosten zu fahren, aber der schon recht weit fortgeschrittene Südsommer mit hohen Temperaturen und zeitweisem Regen dort oben lassen uns davon Abstand nehmen.
Vielleicht ein andermal.
Auf gutem Asphalt (eine Wohltat!) geht es also nach Süden, erstmal in die Kleinstadt Tsumeb wo wir einkaufen und tanken können.
Wir machen Kilometer. Die Fahrt geht eine zeitlang durch erstaunlich grüne Landschaften, die uns an den Balkan im Hochsommer erinnern. Hier muss es richtig gut geregnet haben.

An einer kleinen Nebenpiste finde ich ein ruhiges Platzerl zum Übernachten.
Die Vegetation ist hier schon wieder savannenmäßig, mit undurchdringlichem Buschwerk.
Sonntag, 23.11.2025
Frühmorgens um sechs hat es knapp 9 Grad. Was für ein erfrischender Unterschied zu den vergangenen Tagen im Nationalpark wo es nie unter 23 Grad abkühlte.
Da macht das morgendliche Yoga und ein kleiner Lauf auf der einsamen Sandpiste gleich noch mehr Spaß.
Kilometerfressen bis zu einer kleinen, freundlichen Lodge nahe Okahandja mit gutem Essen.
Strausse und Giraffen schauen am Abend auf ein Seiterl vorbei.

Wir bleiben noch eine zweite Nacht.
Dienstag, 25.11.2025
Süsse Schildkröte am Morgen bei der Abfahrt. Eine Mitfahrgelegenheit habe ich angeboten, sie hat dankend abgelehnt.
So hab‘ ich es zumindest interpretiert.


Jede Menge deutsche Flurnamen sind im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika erhalten geblieben.
Hier nur ein Beispiel von vielen:

Zwischenstop im modernen Teil der Hauptstadt Windhoek (knappe halbe Million EW) und auf knapp 1700m Meereshöhe gelegen. Für uns gibt die Stadt nix her und wir halten uns nicht lange auf.

Nach Windhoek geht es noch weiter hoch bis auf 1900m und die Luft ist auch am Nachmittag relativ (!) kühl.
Dann verlieren wir kaum merklich alle paar Kilometer an Höhe und es wird immer heißer.
Binnen Minuten ändert sich die Landschaft:


Wir nähern uns der Wüste Kalahari, die sich von hier ostwärts bis nach Botswana zieht.
Luxi quert auf ausgezeichneter Piste ein paar niedrige, wunderschön rote Sanddünen.


Ich peile eine Lodge an, die im Netz gute Rezensionen hat und wir haben Glück: Ein Camping-Stellplatz ist noch frei.





Wir beschließen: Hier gefällt es uns und wir bleiben ein paar Tage!
Alle Annehmlichkeiten der Lodge stehen uns zur Verfügung und zum Schlafen ziehen wir uns in unsere eigenen Betten im Luxi zurück.
Jede der 5 Campsites der Lodge verfügt über ein eigenes Bad und die Plätze sind etwa 100m voneinander entfernt.
Perfekt.

26.-28.11.2025
Der Tagesablauf:
Frühmorgens ein täglicher, längerer Barfuß-Spaziergang in den roten Dünen. Wir sehen Giraffen und riesige Webervogelnester.
Was heißt Nester, das sind Vogel-Gemeindebauten!



Anmerkung: Ich Depp hatte völlig vergessen, dass sich in Webervogelnestern gerne hochgiftige Mambas aufhalten die das Nest für die Vögel aggressiv verteidigen. Upsi, nochmal Glück gehabt.
Danach folgt eine Yogastunde. Dann gemütlich frühstücken und anschließend macht jede/r sein Ding. Irgendwas hab‘ ich eh immer rumzuschrauben.
Ab und zu schaut ein Kudu, Strauß oder Zebra an unserer Campsite vorbei. Antilopen sowieso.
Ich habe im Luxi eine WLAN-Verstärkerantenne installiert und so bekommen wir auch an unserer Campsite an den Internetzugang der knapp 2 Kilometer entfernten Lodge.
Die heißen Nachmittagsstunden (40 Grad und mehr im Schatten) verbringen wir am Pool, es gibt ein kleines Kuchenbuffet. Manchmal machen wir Aktivitäten mit wie z.B. die Gepardenfütterung wo wir den eleganten Raubkatzen Auge in Auge gegenüberstehen …



… oder den Bushman-Walk wo Angehörige der San-Ureinwohner erklären wie sie früher hier in der Halbwüste überleben konnten. Hochinteressant und traurig zugleich, denn die Regierung hat den Buschmännern das Jagen und somit ihr traditionelles Leben verboten.
Jahrtausendealtes, hochspezialisiertes Wissen geht binnen ein, zwei Generationen verloren.



Abends spektakuläre Sonnenuntergänge und als Tagesabschluss wirklich hervorragendes Essen, mit gut bestückter Weinkarte.
Fühlt sich wie Urlaub an 🙂

Auch eine Nachtsafari wird am letzten Abend gemacht. Wir sehen mindestens 3 verschiedene Fuchsarten, darunter einen Löffelhund, den ich noch nie gesehen hatte.
Weiters mehrere Hasenarten (z.B. Springhasen). Letztere sehen Kängurus ähnlich, obwohl sie Nagetiere sind. Mit ihren langen Hinterbeinen und sehr kurzen Vorderpfoten hüpfen sie wie Kängurus durch den Busch. Schaut sehr witzig aus.
Oryxantilopen und Springböcke bekamen wir ebenso zu sehen wie eine wunderbare Nashornfamilie.
Abschließend dann ein Amarula-Sundowner unter dem afrikanischen Sternenhimmel.
(Amarula ist das afrikanische Äquivalent zu Baileys und wird aus den Früchten des Marula-Baums hergestellt).
Samstag, 29.11.2025
Nur schwer reißen wir uns von unserer Lodge los, aber wir können ja nicht ewig bleiben.
Außerdem gehen unsere Lebensmittel fürs Frühstück zur Neige. Im nächsten Ort Mariental können wir unsere Vorräte wieder aufstocken.
Ein paar hundert Kilometer fahre ich noch, dann kommen wir kurz vor der Kleinstadt Keetmanshoop zu einem Köcherbaumwald.
Herrliche Bäume aus der Familie der Aloen, sie faszinieren uns.









Auch die Umgebung mit uralter Basaltmasse passt gut zu diesen archaischen Bäumen.
Sonntag, 30.11.2025
Wir wandern in der morgendlichen Kühle in der Gegend herum, finden einen Weg, den umgebenden Zaun zu überwinden und treffen am Nachbarshügel auf noch mehr phantastische Köcherbäume.
Auch Herero-Aloen kommen hier vereinzelt vor.

Wir verlieren seit Tagen an Höhe. Gestern noch auf 1200m, jetzt sind es noch 900 m über dem Meer.
Auf unserer weiteren Fahrt nach Süden entlang einer Abbruchkante und Zeugenbergen …

… sehen wir Fata Morganas und stoppen mitten im buchstäblichen Nichts bei einem Roadside-Café.
Es erinnert frappierend an den Film Out of Rosenheim, plus ein paar fesche Oldtimer im Garten.



Knapp außerhalb des Fish River Canyon Nationalparks stoppen wir. Wegen der allgegenwärtigen Zäune bleiben wir direkt neben der Straße stehen. Macht nix, binnen 15 Stunden kommt gerade mal ein einziges Auto vorbei.

Montag, 01.12.2025
Der Dezember beginnt für uns mit einer Fahrt durch wunderschöne Wüstengegenden. Außerdem gibt es Gazellen, Oryxantilopen und Strauße zu sehen.

Einen Geier morgens auf einem Köcherbaum anzutreffen, das hat für mich etwas magisches an sich!

Unser heutiges Ziel ist der Fish River Canyon.
Nach dem Grand Canyon in den USA gilt er als zweitgrößter dieses Planeten.
Fürwahr, als ich Luxi an der Abbruchkante zum Stehen bringe muß ich zugeben: Er ist sehr beeindruckend.
Fotos geben das nur unzulänglich wieder.

Der Fluß selbst hat nur mehr längliche Wasserstellen, da fließt nichts mehr.
In vergangenen Zeiten muß er mächtig gewesen sein und trotzdem hat er Äonen gebraucht um so tiefe Schluchten aus dem Gestein zu knabbern.


Von hier aus könnte man theoretisch eine 5-tägige Wanderung hinunter zum Fluß und diesen etwa 80 km entlang machen. Eine solche Unternehmung ist nur im Winter erlaubt, jetzt im Südsommer wäre es zu hitzschlag-gefährdend.


Ein Spaziergang entlang der Abbruchkante ist alles, was wir machen können.
Selbst hier heroben ist es jetzt am Vormittag heiß genug. Unten im Flussbett und womöglich ohne Lüfterl wär’s vermutlich unerträglich.
Bei diesem Spaziergang gelingt Heidi ein herrliches Bild von einem Falken (?) der gerade abhebt:

Bei großer Hitze geht es weiter Richtung Süden, nur der Fahrtwind kühlt etwas. Manchmal allerdings bläst er durchs offene Autofenster als hätten wir einen Heißluftfön auf höchster Stufe in Betrieb. Daß wir mittlerweile auf 300m Meereshöhe sind, hilft auch nicht.
Stundenlang kein einziges Auto in Sicht außer Luxi, der sich wacker hält.
Es gibt wenige Tage an denen ich mir eine Klimaanlage wünsche. Heute ist so einer.

Weil die Luft hier bröseltrocken ist, kann man auch 47°C im Schatten schon aushalten. Solche Sommertemperaturen bei uns und man würde eingehen wie ein Primerl.
Am späteren Nachmittag nehme ich eine Abkürzung auf 4×4 Strecke durch ein immer enger werdendes Tal.

Spektakulär windet sich die manchmal kaum sichtbare Piste auf Sand durch die hoch aufragenden Schluchtwände. Mehrmals sieht es so aus als ob da vorne gleich Schluss wäre – aber immer wieder findet sich ein Durchschlupf. Leider habe ich davon kein Bild, ich war fahrtechnisch zu sehr gefordert.
Plötzlich weitet sich das Tal und wir stehen vor dem Oranje River!
Dieser längste Fluß Südafrikas entspringt in den Drakensbergen des östlichen Hochlandes und bildet hier auf seinen letzten Kilometern vor der Mündung in den Atlantik die Grenze zu Namibia.

Der Oranje River ist breit und mächtig, ein richtiger Strom.

Wir folgen seinem Lauf nach Westen. Affen turnen auf den Bäumen des Galeriewaldes, es sind Paviane und Grüne Meerkatzen.

Zeitweise zwängt sich der Oranje an felsigen Bergen vorbei, dann wieder windet er sich durch Sanddünen.
Wir queren auch die Mündung des Fish River.


Irgendwie haben wir Lust auf Zivilisation und Asphaltstraßen. Ausserdem findet sich nach jedem Stehenbleiben ein öliges Pfützchen unter dem Motor. Also mache ich den kleinen Umweg ins Bergbaustädtchen Rosh Pinah. Hier wird Zink und Blei abgebaut.
Im besten Hotel der Stadt (das ist jetzt ein bisserl relativ) finden wir ein gutes Restaurant und spülen den Staub der heutigen fast 250 Kilometer mit Bier und Radler runter, dazu gibt’s Steaks. Das „Lady Steak“ bringt auch noch 450 Gramm auf die Waage.
Übernachtet wird in den umliegenden Bergen. Hier wachsen fast ausschließlich Sukkulenten, die von der nächtlichen Feuchtigkeit profitieren. Der eiskalte Benguelastrom, der an der knapp 100 Kilometer entfernten Küste nach Norden fließt, hat schon hier Auswirkungen auf die Vegetation.

Dienstag, 02.12.2025
Entwarnung beim Mechaniker: Es ist „nur“ Diesel den Luxi tröpfchenweise verliert. Mal sehen ob ich in Südafrika eine passende Dichtung bekomme. Hier ist das ein Ding der Fast-Unmöglichkeit.
Wir fahren wieder – jetzt auf bestem Asphalt – zum Oranje und gegen Mittag wächst sich der Westwind zu einem Sandsturm aus.
Wenn man die Hand aus dem Fenster hält, stechen die Sandkörner im Fahrtwind wie winzige Nadeln.
Die Oryx auf den Sanddünen, die gerade vom Trinken kommen scheint der Sturm kaum zu stören.

Wir retten uns vor dem Sturm in ein verlassenes Camp am Fluß. Mächtige Eukalyptusbäume säumen den Fluß und halten den Wind wenigstens teilweise ab.
Bei der Zufahrt sehen wir eine riesige Straußenfamilie von mindestens zwei Dutzend Vögeln, mit Jungen.


Obwohl verboten, bleiben wir hier über Nacht. So ein Sandsturm ist schließlich ein Notfall, nicht wahr?
Wir müssen aber auch gar nicht argumentieren, kein Mensch taucht auf.
Nur ein paar Meerkatzen und viele Vögel leisten uns Gesellschaft.

Was bei der Zufahrt in den Wald wie giftige Beeren schien, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Mini-Tomatchen, die hier wild wachsen. Ich sammle eine ganze Menge davon. Erstaunlich, daß die Affen diese nicht anrühren. Vielleicht ein Fall von „Was der Aff‘ ned kennt, des frißt er ned.“
Mittwoch, 03.12.2025
Nach dem Yoga sind es von unserem Nachtplatz nur noch wenige Kilometer bis Oranjemund, dem kleinen Örtchen wo der Oranje River ins Meer mündet. Bis zum frühen Nachmittag bleibt hier der Küstennebel hängen ehe die afrikanische Sonne die Oberhand gewinnt.

Das kleine Oranjemund selbst erstaunt mit grünen Alleen und viel Gras. Das haben wir schon länger nicht mehr gesehen.
Die Vogelbeobachtungspunkte nahe der Oranjemündung geben nichts her. Es ist kalt, windig, neblig. Wir müssen sogar unsere warmen Sachen auspacken um ein paar Kilometer zu spazieren.
Dann nur noch schnell Tanken und ab zur Grenze.
Die Passabfertigung auf der namibischen Seite des verschlafenen Grenzüberganges nach Südafrika ist sehr schnell erledigt, es dauert keine 10 Minuten und davon verbringen wir 8 um mit dem Grenzer zu plaudern, der sich als Klassik-Fan freut, hier mal Kunden aus Mozarts Heimat zu haben.
Ich muß dann nur noch eine kleine Ehrenrunde drehen um auch das Carnet für Luxi ausstempeln zu lassen. Nun steht der Weg nach Südafrika offen.
Der Oranje wird hier auf einer einspurigen, langen Brücke gequert.

Es geht mit einem neuen Kapitel weiter.
Weiter zu Teil 3 – Von Namibia nach Kapstadt und entlang der südlichen Garden Route
Die bisherige Reiseroute in Namibia, gemäß GPS-Aufzeichnung (ab 3.11.2025).
Die Karte ist zoom- und verschiebbar.
Blau = Reise Teil 1, Orange = Teil 2