Südliches Afrika 2025/2026, Teil 3

Teil 3 – Von Namibia nach Kapstadt und entlang der südlichen Garden Route

Zurück zu Teil 1: Anreise und der Norden Namibias
Zurück zu Teil 2: Von Etosha in den Süden Namibias


LETZTES UPDATE: 02.01.2026

Mittwoch, 03.12.2025 (Fortsetzung)

Wir fahren also über die Grenzbrücke zum südafrikanischen Abfertigungsgebäude.

Man gibt uns ein Einreiseformular, kontrolliert werden die lückenhaft gemachten Angaben nicht wirklich.
Ich verhandle uns mit ein wenig freundlichem Geplauder ohne große Schwierigkeiten einen 3monatigen Aufenthalt in Südafrika raus.
Läuft.

Dann weiter zum Zoll.

Ein gemütlich aussehender Beamter langweilt sich hier offensichtlich und natürlich möchte ich ihn in seiner kontemplativen Behaglichkeit nicht stören.
Ich zeige ihm daher nur kurz mein Carnet und beginne mit: „Ich habe hier einen etwas komplizierten Fall“, und bevor er sich noch am Kopf kratzen und überlegen kann, was dieser Tag so schwieriges bringen mag ergänze ich: „Das ist ein österreichisches Auto mit einem deutschen Carnet. Ich denke nicht, dass Sie, Verehrtester, das abstempeln müssen.“
Somit habe ich ihm bereits einen wunderbaren Ausweg – aus seiner kaum begonnenen Misere – wie einen roten Teppich gelegt.
Diesen beschreitet er freudig.

„Nun“, brummt er um ein wenig in seinen Unterlagen zu blättern, „der letzte Europäer dessen Carnet ich gestempelt habe war Belgier …“
Ich pflichte bei: „Genau, eine völlig andere Sachlage!“

Schnell sind wir uns einig, dass Luxi keinen Eintrag ins südafrikanische Zollsystem rechtfertigt und wir verabschieden uns voneinander mit dem guten Gefühl, eine potentiell komplizierte Sache zur beiderseitigen Zufriedenheit erledigt zu haben.

So geht Afrika 🙂

Mit herzlichem Dank an meinen Lehrmeister Wolfi, der mir auf einer gemeinsamen Afrikareise vor vielen Jahren so einiges beigebracht hat.

Noch ein paar Dutzend Kilometer, dann lass‘ ich es mit dem Fahren für heute gut sein. Mit Blick auf den Atlantik und inmitten von salztolerierenden bodennahen Sukkulenten finde ich uns ein sehr ruhiges Plätzchen für die Nacht. Es kühlt auf 14 Grad ab.

Der Boden ist von Nagetieren förmlich durchlöchert. Auf der kleinen Abendwanderung breche ich immer wieder in die von ihnen gegrabenen Gänge ein.
Auch ein kleiner, vergessener Familienfriedhof hier im schier unendlichen Nichts ist von ihnen okkupiert.
Die allgegenwärtigen Raubvögel können die Population der Mäuse oder Wüstenratten offenkundig kaum im Zaum halten, dabei sieht man an gefühlt jedem zehnten Telegrafenmasten einen wohlgenährten Falken, Sperber oder noch größeren Vogel sitzen.

Donnerstag, 04.12.2025

In der ersten, für unser Empfinden ziemlich trostlosen aber immerhin sauberen Kleinstadt nach der Grenze sind wir direkt am Atlantikstrand. Es ist angenehm kühl, das Wasser hat gefühlte 14 Grad. Hab‘ ich den Benguelastrom schon erwähnt?

Hier in Port Nolloth bekommen wir ohne Ausweis eine SIM-Karte. Der Pakistani der sie mir überreicht meint auf meine Frage, was ihn denn hierher ans Ende der Welt verschlagen hätte nur knapp: „There is no crime here.“
Eine Aussage die uns zu denken gibt. Die Abwesenheit von Kriminalität ist diesem jungen Menschen wichtiger als die Teilhabe an sozialen, kulturellen, etc. Angeboten.

Es folgt eine meist unspektakuläre Fahrt in stetem Auf und Ab über 500 Kilometer, bei im Laufe des Tages immer stärkerem Seiten- und Gegenwind.

Kaum entfernt man sich von der Küste, wird es mit jedem Kilometer heißer bis wir wieder bei den „gewohnten“ 42°C sind.
Ein Tankstopp mit Magnum Mandel ist da schon eine willkommene Abwechslung.
Ansonsten muss ich bei den Steigungen immer Drehzahlmesser, Öldruckanzeige und das Kühlerwasser im Blick haben. Kaum bin ich etwas zu lange im zu hohen Gang, kocht das Kühlerwasser und ich muss nach einer Abkühlpause nachfüllen. Anstrengend.

Optisch und geologisch wird es erst interessanter als Granitfelsen auftauchen. Wie riesige glatte Walrücken drücken sie sich ein paar hundert Meter in die Höhe. Fast gleichzeitig sehen wir erste richtige Bäume bei Farmen.

Kurz vor Lutzville bereits abgeerntete Getreidefelder …

… und dann plötzlich wie aus dem Nichts: Weingärten!

Wir sind in der nördlichsten der Kap-Weinregionen angekommen.
Das gehört nach diesem langen Fahrtag ordentlich gefeiert und das tun wir auch.

In einem Restaurant oberhalb des Strandes des kleinen Fischerdorfes Doringbaai gibt es „nur“ Fish & Chips. Das klingt nicht großartig, ist aber eine Riesenportion herrlich saftiger Kap-Seehecht und der hiesige trockene Chardonnay passt ausgezeichnet dazu.
Die Kosten für das alles sind sehr, sehr überschaubar.

Ich bin danach nicht in der Lage weiterzufahren und wir übernachten kurzerhand auf dem Restaurant-Parkplatz. Ruhig und kühl. Was will man mehr.

Freitag, 05.12.2025

Wir müssen uns unbedingt die Beine vertreten. Wie passend, dass gleich auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Coastal Walkway beginnt.

Entlang des Meeres wandern wir ein Stückerl drauflos und sehen enorm viel Seetang (Kelp) wachsen, dazu verschiedene Muschelarten, dicht an dicht.

Obwohl einiges an angeschwemmtem Tang am Strand liegt, riecht es gar nicht unangenehm, wie man vielleicht erwarten könnte.

Zurück im Fischerdorf brunchen wir in einem Restaurant direkt am Hafen und sehen nebenan einerseits, wie Seeohren (engl. Abalones, eine beliebte Schnecken-Köstlichkeit) gezüchtet werden und andererseits, wie der Seetang geerntet wird um damit die Seeohren zu füttern.
Eine mühsame Sache und schon wieder so ein Job, den ich nicht machen möchte.

Auf die anschließende Fahrt entlang der Küste hätte ich im Nachhinein gerne verzichtet: Wegen des Wellblechs ist die Piste trotz stark reduziertem Luftdruck weitestgehend nur in Schrittempo machbar.

Die Gazellen die wir hier sehen gleichen das elende Gerüttle nicht aus.

Erst kurz vor Lamberts Bay wird es schlagartig viel besser.

Ich entdecke dann von der Straße aus ein Dünengebiet. Weil der Reifendruck eh schon minimal ist, ist ein Abstecher dorthin für einen Sandfreak wie mich ein Muss.
Also lege ich den Allrad ein und fahre mit Untersetzung auf sehr tiefsandiger Piste in die Nähe der verlockend hellbeige leuchtenden Dünen.

Dann geht’s zu Fuß weiter.

Der Wind ist auf den Dünen enorm stark, in den Ohren und zwischen den Zähnen finden sich noch Stunden danach Sandkörner.

Auf einem netten, windgeschützten Campingplatz in der Nähe checken wir ein und bleiben ein paar Tage.
Nachts angenehme 15 Grad, tagsüber um die 30°C.
Wir sind praktisch die einzigen Gäste.

Viele recht zutrauliche Vögel leisten uns hier Gesellschaft, auch beim Yoga.

Samstag/Sonntag, 06.-07.12.2025

Wochenende mit Waschtag und gutem Seafood-Essen in Lamberts Bay.

Montag, 08.12.2025

Die Kolonie der Kaptölpel in Lamberts Bay ist wirklich sehr sehenswert.
Die kleine, dem Ort vorgelagerte Halbinsel ist von diesen Vögeln fast völlig in Beschlag genommen und es ist gerade Brutsaison.

Die nächsten Tage tuckern wir langsam nach Süden, Richtung Kapstadt.
Es finden sich kleine (ehemalige) Fischerdörfer mit wunderbaren weißen Sandstränden wo kaum etwas los ist wie Elandsbaai …

… und südlich davon immer mehr „development“ mit Restaurants, Galerien, etc.
Manche Strände haben herrliche Granitfelsen wie auf den Seychellen (Paternoster beach). Das Meer ist allerdings etwa 15 Grad kühler als dort.

Überall finden wir Gelegenheit für längere Strandspaziergänge und ein ruhiges Plätzchen zum wild Campen.

Irgendwann kommt dann der ikonische Tafelberg in Sicht …

… und wir tauchen ein in die wunderbare Stadt Kapstadt.
Hier wollen wir ein paar Tage verbringen.

Die Stadt liegt schön eingebettet zwischen Ozean und Tafelberg:

Wir haben Luxi mitten im mondänen, neu gestalteten Hafengebiet abgestellt. Somit haben wir nur ein paar Schritte zu den unzähligen Restaurants, Malls und touristisch interessanten Attraktionen wie dem riesigen Meeresaquarium oder dem Museum für Afrikanische Kunst.

Kulinarisch bietet Kapstadt als multikultureller Hotspot eine enorme Auswahl an ausgezeichneten Restaurants. Wir haben jeden Abend die Qual der Wahl, meist wählen wir Meeresfrüchte. Herrlich frisch und preisgünstig.

Einmal haben wir das Glück und können von einer Restaurantterrasse direkt im Hafenbecken darunter Delfine beobachten.

Eigentlich wollten wir uns in Kapstadt ein Hotel oder zumindest ein schönes Apartment nehmen, aber wir sind sowieso den ganzen Tag auf den Beinen und im Luxi haben wir unser eigenes Bett.
Wasser zum Duschen haben wir zuvor ausreichend gebunkert.

Was Kapstadt aber so ganz besonders macht, sind die Menschen hier.
Jeder ist unheimlich freundlich, hat ein Grinsen im Gesicht und ist einfach gut drauf. Jetzt kann man sagen „Kein Wunder, bei dem fast dauernden Traumwetter!“ und ich weiß nicht, wie das im hiesigen Winter wäre – aber es ist schon sagenhaft wie zuvorkommend, höflich und hilfsbereit man hier ist.
Apropos: Wärend unserer 4 Tage gab es ungewöhnlicherweise einen Nachmittag lang immer wieder Regenschauer und es kühlte ordentlich ab.

Um unsere Beine daran zu erinnern, dass es auch noch eine dritte, vertikale Raumdimension gibt, wandern wir über die Platteklip-Schlucht hinauf auf den Tafelberg. Keine bergsteigerische Höchstleistung aber man wird bescheiden.

Botanisch eine sehr interessante Wanderung – gefühlt kenne ich 95 % der Pflanzen die hier wachsen überhaupt nicht!!

Oben erwartet uns eine Hochebene mit herrlichen Blicken in den Kessel in dem Kapstadt eingebettet liegt und natürlich aufs Meer und Robben Island, wo Nelson Mandela jahrelang eingekerkert war.

Montag, 15.12.2025

Via dem herrlichen botanischen Garten in Kirstenbosch verlassen wir Kapstadt.

Es wird nicht der letzte Aufenthalt in Capetown gewesen sein – Luxi soll ja hier im südlichen Afrika seinen Lebensabend verbringen und ab und zu werde ich ihn wohl besuchen kommen 😉 .

In Hout Bay gehen wir nochmal gut Fisch essen, fahren eine ziemlich spektakuläre Straße (Chapman’s Peak Drive) nach Noordhoek …

… und übernachten dort oberhalb des enorm breiten Strandes, wo der Atlantik wieder mal zeigt was er so kann.

Dienstag, 16.12.2025

Der Blick aus dem Luxi- Schlafzimmer am nächsten Tag:

Die nächsten Highlights warten schon.
Man ahnt es bereits:

Auf der Straße ist kein putziger Pinguin zu sehen, aber am Strand:

Wir beobachten sie ausgiebig, dann fahren wir weiter entlang der Küste bis es nicht mehr weiter geht. Zuvor knöpft man uns aber noch einen Nationalpark-Eintritt ab. Für uns Nicht-Südafrikaner 5mal so viel wie für Locals, obwohl die alle viel teurere Autos fahren.

Es ist windig, relativ kühl und die Wind- und Kitesurfer gleich am blendendweißen Strand nebenan jagen wie die Verrückten über die Wellen.
Ein Spaß, ihnen zuzusehen.

Next Stop: Die Weinregion um Stellenbosch. Auf der Fahrt geht es eine zeitlang durch ganz schön ärmliche Gegenden, wo sich direkt neben der Straße eine Wellblechbude an die nächste lehnt.
Ein paar Kilometer zuvor noch mondäne High-Society-Cocktailschlürferei am türkisen Sandstrand – die Kluft zwischen arm und reich ist hier enorm.

In der Weinregion östlich von Kapstadt also, an den Drakensteinbergen gelegen, dann wieder ein pipifeines Landgut am nächsten.
Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz in der Gegend werden wir von einem – wie könnte es anders sein – äußerst netten, gastfreundlichen Südafrikaner namens Jacques auf die Farm eingeladen wo er gerade als Architekt arbeitet.
So sind sie, die Leute hier.

17.-18.12.2025

Wir bleiben 2 Nächte auf Jacques‘ Arbeitsfarm, dann übersiedeln wir auf einen Campingplatz inmitten von Weinfeldern.
Der Blick auf die umliegenden Berge ist auch recht nett.

Freitag, 19.12.2025

Kurzer Abstecher zu einem privaten botanischen Garten aus dem frühen 19. Jhd.
Bei der Hitze tut der viele Schatten gut.

Abends gehen wir gut essen, mit herrlichem Ausblick. Ich habe Jacques eingeladen und wir beschließen, morgen gemeinsam wandern zu gehen.

Samstag, 20.12.2025

Um 7 Uhr morgens parke ich Luxi auf einem schattigen Gelände vor der Jonkershoek Nature Reserve, wo es unter anderem eine Menge MTB-Trails unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade gibt.
Nach kurzer Fahrt innerhalb der Reserve zum Ausgangspunkt der Rundwanderung geht’s los. Die ersten 1000 Höhenmeter steigen wir gottseidank großteils im Schatten auf. Auch hier wieder viele mir unbekannte Pflanzen, darunter die prächtige Königs-Protea, Nationalblume Südafrikas.

Dann über eine Hochebene, mit herrlichen, fast alpin wirkenden Ausblicken.

Abschließend zu einem versteckten Wasserfall wo wir uns im etwa 19 Grad kühlen Wasser herrlich abkühlen können.
Glücklicherweise hat es vor einer Woche gut geregnet, davor war hier alles staubtrocken.

Kurz vor dem Ausgangspunkt können wir noch einmal in einem Bach plantschen, alle Gewässer hier haben Trinkwasserqualität.

Apropos Trinkwasser, weil die Frage aufkam: Wir haben nur in der ersten Woche in Namibia Wasser in Flaschen gekauft, seither trinken wir immer gutes Wasser aus boreholes, also gebohrten Brunnen oder aus Quellen. Ab und zu auch Leitungswasser wenn es schmeckt. Das geht alles wunderbar, wir sind gesund. Nicht mal filtern mussten wir das Trinkwasser bisher.

20.-22.12.2025

Wir sind zwischen Weinbergen, Stauseen und kleinen ziemlich touristischen Örtchen wie dem bekannten Stellenbosch und Franschhoek unterwegs. Weil die Südafrikaner schon Weihnachtsferien haben, ist ziemlich was los.
Ich bin froh, dass Weihnachtskitsch hier so gut wie nicht existent ist, „Last Christmas“ hab‘ ich nur einmal gehört und das ganz aus Versehen 🙂

Auch hier in Franschhoek kann man wirklich sehr, sehr gut essen gehen. Wow.

Dienstag, 23.12.2025

Wir verlassen Franschhoek über einen 730 Meter hohen Pass. Die sehr gute Asphaltstraße windet sich in Serpentinen hoch und einmal muß Luxi kurz am Straßenrand rasten.
Nach der Passhöhe wunderbare Ausblicke und ein Bach mit kristallklarem Wasser unten im Tal.

Frühstücks-Stop auf einem Stück der alten Straße

Über kleine Nebenstraßen und entlang von schier endlosen Obstfarmen (Äpfel, Birnen) und anderen landwirtschaftlichen Betrieben …

… kommen wir bei ausnahmsweise bewölktem Wetter in ein kleines Städtchen namens Greyton.

Einmal durch den Ort gefahren und ich bin schockverliebt!

Gemütliche, kleine Cafés und Restaurants reihen sich aneinander, es ist alles viel ursprünglicher, noch netter und wesentlich familiärer als Franschhoek. Jeder grüßt jeden freundlich, nach zwei, drei Tagen gehört man schon ein bissl dazu.

Chi-chi-Läden fehlen völlig, dafür gibt’s einen kleinen Bauernmarkt mit Produkten aus der Region. Dass die Preise hier noch einigermaßen Südafrika-normal sind macht den Ort nicht unsympathischer.
Südafrika ist generell sowieso viel günstiger als Mitteleuropa.

Beim ersten durch-den-Ort-schlendern entdecken wir MTB-Verleihe, einen Outdoor-Veranstalter, Leder- und Immobilienhändler. Wer weiß, ob ich nicht das eine oder andere Angebot nutzen werde 😉 Außerdem laufen mir wildlebende Pferde über den Weg. Davon gibt’s hier jede Menge.

Beim Lederproduzenten kauft Heidi ein bisserl ein und wir kommen ins Gespräch. Prompt bekommen wir das Angebot, auf dem freien Stück Land hinter seinem kleinen Laden zu parken. Den Schlüssel für die WCs bekommen wir auch.
Hätten wir das schon mal abgehakt.

Zu Abend essen wir ausnahmsweise mal Holzofenpizza. Sehr gut.

Mittwoch, 24.12.2025

Wir haben uns nach der Yogastunde gerade in einem netten Café mit frischem Brot und Croissants versorgt, als mir bekannte Gesichter über den Weg laufen: Es sind Tracey und Pete aus Johannesburg. Ich kenne die beiden von früheren Südafrika-Reisen mit Wolfi, außerdem haben wir sie ein, zweimal schon in Salzburg getroffen. Was für ein Hallo! Die beiden sind mit vier Freunden auf einer Rundreise durch Südafrika und besuchen hier in Greyton ein weiteres Paar, Andrew und Dot, das hier lebt.

Wir werden eingeladen, den Weihnachtsabend mit den 8 zu verbringen. Ein paar Mitbringsel sind schnell besorgt, es geht eh hauptsächlich um guten Wein 😊

Kaum stehen wir vor Andrew und Dot’s Haus, kommt eine kleine Band vorbei die auf der Straße von Haus zu Haus zieht und – na ja, sich bemüht – Weihnachtslieder von sich zu geben.

Während wir gleich mit Getränken versorgt werden und die Band ihr Bestes gibt, liegen zwei Mechaniker unter Chris‘ Hilux und schrauben daran rum. Für diese zwei gibt’s offensichtlich keinen geruhsamen Heiligabend – oder zumindest verspätet.
Man muss aber dazu sagen, dass in Südafrika eigentlich nur am 25. Dezember richtig gefeiert wird.

Jedenfalls haben wir einen sehr netten, lustigen Abend. Bezüglich dem Dresscode hätten wir nochmal nachfragen sollen: Während wir unsere beste Panier aus dem Schrank geholt haben und somit hoffnungslos overdressed sind, ist z.B. der Hausherr den ganzen Abend ausschließlich in Badehose zugange 🙂 .

Donnerstag, 25.12.2025

Die gestern reichlich angefutterten Kalorien verbrennen wir auf einer kleinen Wanderung nördlich von Greyton.

Es geht durch schönen Fynbos, so nennen die Südafrikaner den Busch hier, der grob gesagt aus nicht-stacheligem Buschwerk besteht.

Nach dieser schweißtreibenden Runde kommt uns eine Abkühlung in einem kleinen Bach gerade recht.

Freitag, 26.12.2025

Schweren Herzens verlassen wir Greyton Richtung Süden, ich weiß aber daß ich wiederkommen werde.

Weiterhin landwirtschaftlich geprägtes, eher trockenes Gebiet.

Auf der Strecke sehen wir neben der Straße immer mehr Vogel-Strauße und häufig den Nationalvogel Südafrikas, den wunderschönen, großen Paradieskranich (english Blue Crane).
Leider sind letztere ganz extrem scheu und bis ich beim Vorbeifahren den Fotoapparat bereit habe, sind sie schon geflohen. Daher hier ein Wiki-Bild:

Bild von SandyCole (mailto:sandyc@dicksandy.org), CC BY-SA 3.0, Link

Dann ein Abstecher zur De Hoop Nature Reserve.
Ich habe im einzigen Restaurant dort fürs Abendessen reserviert, dadurch sparen wir den Eintritt ins Naturschutzgebiet. Wußte ich zuvor nicht, nehm‘ ich aber gerne so mit.

Ich hab keine Lust, den anderen Autos an den Beach nachzufahren, stattdessen parke ich Luxi am Pistenrand und wir stapfen völlig einsam und weglos über weiße Dünen etwa 4 Kilometer an den Strand und wieder zurück. Wir sind über den kühlenden Wind froh, der vom Meer her weht.

Weiße Weihnachten am Indischen Ozean, sozusagen.

Im Naturschutzgebiet leben Antilopen, Strauße und viele weitere Vögel. Alle relativ scheu.

Das Abendessen im Hotel war dann gut aber nichts außergewöhnliches.
Zugegeben, wir sind verwöhnt 😉

Geschlafen wird knapp außerhalb des Naturschutzgebiets, in völliger Stille und Einsamkeit, auf einem Feldweg. Die Nacht ist mit 14°C wieder angenehm kühl.

Samstag, 27.12.2025

Auf der Fahrt parallel zur Küste nach Osten, immer ein paar Kilometer vom Meer entfernt, geht es weiterhin durch trockenes Gebiet.

Dann ein Riesenschreck: Die Wellblechpiste hat – wie auch immer sowas passieren kann – die Radmuttern des linken Hinterrads gelöst. Ein paar Kilometer so weiter und Luxi wäre auf drei Beinen unterwegs gewesen!
Zwei der Radschrauben sind schon abgerissen.

Auf dieser Reise habe ich ja ausnahmsweise ein Reserverad auf Felge dabei, das ist ein Glück und so ist die Sache schnell erledigt. Vier statt sechs Schrauben werden das Rad schon auch eine zeitlang halten.

Die kurz darauf folgende Flußquerung des Breede River, zumal per Pontoonfähre, ist da schon ein entspannenderes Erlebnis.

In der Kleinstadt Witsand (erraten: „Weißer Sand“ auf Afrikaans) ist uns zuviel Weihnachtsurlaubertrubel. Wir schauen ein bißchen den Kitesurfern am Beach zu, essen in einer einfachen Beachkneipe Meeresfrüchte und hauen vor Sonnenuntergang wieder ab.

Einen Mechaniker für die kaputte Felge sucht man hier in der Kleinststadt sowieso vergeblich.

Ich kurve ein bißchen zwischen Farmen herum und finde trotz der vielen Zäune irgendwie einen sehr ruhigen Schlafplatz nahe einer Schafweide.

Sonntag, 28.12.2025

In Heidelberg tanken wir und ich frage nach einem Mechaniker, der am Sonntag Zeit hat. Man gewöhnt sich ja schön langsam an die Fast-immer-Verfügbarkeit von Dienstleistungen in größeren Orten.
Einen kurzen Anruf später steht ein Mechaniker mit seinem alten Nissan vor mir und legt gleich los um die beiden abgerissenen Radnaben-Schrauben zu ersetzen.

Obwohl er noch zwei mal fahren muss um Werkzeug, einen Helfer und Material zu besorgen, kostet die Chose inklusive Material etwa 43 Euro.

Zu Mittag sind wir schon wieder, nun mit 6 Radmuttern, auf dem Weg und fahren entlang der südlichen Garden Route bis in die fast klinisch saubere Stadt George. Im Restaurant 101 Meade Street bekommen wir wieder einmal ein Fine Dining Erlebnis der Extraklasse.

Das mit dem Nachtplatz erweist sich hier als etwas schwierig. Sämtliche Campingplätze und Hotels sind in ganz Südafrika über die Feiertage hoffnungslos ausgebucht und beim stadtnahen Naturpark wollte man uns nicht haben. Freundlich verweist uns die patrouillierende Security auf einen Parkplatz am ehemaligen Bahnhof. Na gut, nicht gerade schnuckelig, aber annehmbar.

Montag, 29.12.2025

Wandertag. Ich suche uns einen Rundwanderweg mit Ziel Badeteich am Wasserfall raus.

Zuerst denke ich mir nicht viel dabei, als ich auf der Karte den Namen Pepsi Pools lese. Erst als wir – über einen MTB-Trail aufsteigend – dort sind, wird es mir klarer: Das Wasser ist durch die gelösten Mineralstoffe dunkelbraun, fast schwarz. Mit dem Wasserfall prickelt es wie ein Bad in Cola, nur halt ohne klebrigen Zucker.

Heidi meint natürlich erst „Na, ich weiß nicht ob ich da reingehen muß!“ aber dann genießt auch sie das gefärbte aber völlig saubere Bergwasser mit seinen etwa 22 Grad.

Weil’s gestern so genial war, gehen wir heute abend nochmal in’s 101 Meade Street.

Dienstag, 30.12.2025

Nach dem Yoga spazieren wir ein wenig durch den botanischen Garten. Hier sehe ich endlich mal wieder einen Farnbaum. Diese Gewächse haben mich in Neuseeland immer fasziniert.

Über die 7 Passes Road (die „Pässe“ sind nur wenige hundert Meter hoch) und durch schöne Landschaft geht’s weiter Richtung Osten. Meist auf Schotterpiste.

Auch heute finde ich einen kleinen Wasserfall zum Baden, nur ein paar hundert Meter unterhalb der Piste. Bis auf einen weißen Einheimischen sind wir ganz alleine dort.

Beim Baden sehe ich einen ganz wunderbaren Vogel im Flug über mir. Er hat leuchtend rote Flügel, einfach großartig!
Der nette Einheimische erklärt mir, das sei ein endemischer Vogel. Der Knysna Lourie wie sie ihn hier nennen, kommt nur in dem Küstenstreifen ab hier, östlich vor. Auf deutsch heißt er Federhelmturako.


Nur schade, dass ich ihn nicht länger beobachten konnte.

Die nächste Stadt Knysna ist schon wieder „afrikanischer“ und Heidi hat am Markt ihren Spaß.

Wir übernachten außerhalb, in einem ruhigen Waldstück östlich der Stadt.

Dienstag, 30.12.2025

Kurzerhand fahren wir noch ein Stück weiter bis Plettenberg, wo ich ein hochwillkommenes, erfrischendes Bad im Indischen Ozean nehme.

Die Weißen Haie in der Gegend sollen sich meist etwa 10 Kilometer weiter aufhalten, wo sie gerne bei einer Robbenkolonie futtern. Somit ist das Schwimmen hier relativ sicher.
Ein Haibiß-Verbandspackerl findet sich trotzdem alle paar hundert Meter am Strand …

Badespaß, jeder auf seine Art:

Wir halten uns in Plettenberg Bay nicht lange auf sondern nehmen eine Passstraße in Angriff, die uns wieder Richtung Westen, zurück nach Kapstadt führt von wo Heidi in einer Woche nach Hause fliegen wird.

Diese Schotterstraße hat im ersten Teil, bis zur Einmündung der Piste aus George kommend, einiges an üblem Wellblech, ich reduziere den Luftdruck in den Reifen kräftig, um die Holperei erträglicher zu machen.

Ab besagter Einmündung wird die Piste etwas besser, dafür schlängelt sie sich teils an steilen Abbrüchen entlang. Ich fahre lieber etwas vorsichtiger, meist im zweiten Gang. Zum Fotografieren hab ich auf diesen Streckenabschnitten keine Muße 😉

Im kleinen Bergdorf De Vlugt habe ich mir nach all der Lenkradkurbelei ein Bier an der Bar redlich verdient:

Es war zwar geplant hier zu stoppen, eine Liveband hätte ich hier im hintersten Winkel aber nicht erwartet.
Es geht bluesig-groovig durch den letzten Abend des Jahres 2025.

Zeit für ein neues Kapitel dieses Blogs. Weiter zu Teil 4 – Über die nördliche Garden Route (vielleicht) in die Cederberg Mountains



Die bisherige Reiseroute in Südafrika gemäß GPS-Aufzeichnung (ab 6.12.2025).
Die Karte ist zoom- und verschiebbar.

Tagged , , , , , , , , , , , , , , , .Speichere in deinen Favoriten diesen Permalink.

Die Kommentare sind geschlossen.