Naher Osten 2010 – Teil 1: Der grobe Plan …

Geplant ist, recht schnell durch Osteuropa bzw den Balkan (der ist eine eigene längere Reise wert, aber das kommt später einmal 🙂 in die Türkei zu fahren. Dort wollen wir uns eine zeitlang aufhalten, bevor es weiter nach Syrien und Jordanien geht.
Falls das Einreiseverbot für Dieselfahrzeuge im Libanon bis dahin fällt, wollen wir unbedingt auch dorthin.
Danach ist alles offen …

Naher Osten 2010 – Teil 2: Die Anreise …

So – jetzt im Rückblick ein paar Details zur Anreise:
Aufbruch am Donnerstag, den 9.9.2010 am frühen Nachmittag.
In Linz kommen wir drauf (Reiseneulingen kann sowas schon mal passieren), dass Pass, Carnet und weitere wichtige Dokumente am Wohnzimmertisch geblieben sind. Na ja, wenigstens haben wir’s geschnallt, bevor wir sie zum erstenmal wirklich gebraucht hätten – das wäre erst an der ungarisch-rumänischen Grenze der Fall gewesen. Pfffff! Somit von Linz zurück nach Salzburg. Was sind 200 km Umweg bei einer solch langen Reise? Ein Klacks!
Die erste Nacht verbringen wir deshalb am Attersee und machen am nächsten Morgen einen Abstecher zu Max‘ ehemaligem Bauernhaus, das heute eine tolle Galerie mit australischer Kunst beherbergt: www.ab-original.at
Dann geht’s aber wirklich los. Ab der ungarischen Grenze begleitet uns durchs ganze Land ein ungemütliches Regenwetter. Nein – stimmt nicht ganz: ab und zu hat’s auch nur genieselt.

Plötzlich röhrt der Hilux wie eine wilde ungarische Reiterhorde im Vollangriff. Der Auspuff ist gebrochen und eine Notreparatur mit Draht und einer aufgeschnittenen Coladose bringt nur kurz Abhilfe. Also auf die Suche nach einer Werkstatt. Aber versuch‘ mal, in einem Land, in dem Orte Namen wie Hódmezövásárhely und Kerekegyháza tragen und die Bewohner (angeblich) kein Englisch sprechen, nach einer Reparaturwerkstätte mit Autogenschweissgerät zu fragen! Abgesehen davon, weigern sich offensichtlich alle Ungarn prinzipiell, an einem Samstag vormittag auch nur einen Schraubendreher anzulangen. Zitat eines Ungarn (wir haben dann doch noch einen gefunden, der etwas englisch konnte): „In Hungary, people are crazy!“

So fahren wir – nicht ohne kräftige Lärmentwicklung – noch durch bis Rumänien, wo die people not so crazy sind und auch am Samstag spätnachmittags noch eine tolle Auspuffreparatur hinkriegen. Welcome to capitalism! J
Seitdem schnurrt der Hilux wieder wie ein sanftes Kätzchen.
Wir lassen den Abend in Lugoj, in einem Restaurant am Flussufer ausklingen. Lecker und sehr preiswert. Ebenso die herrlich süssen Zwetschken, die wir am nächsten Tag einer verschrumpelten Bäuerin am Strassenrand abkaufen.

Am Sonntag geht’s an die Donau, die hier schon verdammt breit ist. Wir fahren direkt über die gewaltige Staumauer bei Drobeta Turnu Severin (hier war vor dem Staudammbau das berüchtigte „Eiserne Tor“, das die Flussschiffahrt der Monarchie Richtung Schwarzes Meer unmöglich machte), danach geht’s für ein kurzes Stück durch Serbien und dann weiter nach Bulgarien.

Die Strassen hier sind wesentlich besser als vor einigen Jahren – die EU macht’s möglich – aber trotzdem werden wir die Qualität der immer noch auftretenden Schlaglöcher nicht vermissen.
Unsere landschaftlich verwöhnten Augen werden von all den verblühten Sonnenblumen- und Maisfeldern des Balkan völlig unterfordert. Wahnsinnig viel Gegend – und dann diese Monotonie. Wir sind schon froh, mal wieder ein paar Hügel zu sehen. In einem der schöneren Landstriche finden wir auch das schnuckeligste Übernachtungsplätzchen der Anreise: unweit der Strasse, aber völlig einsam und ruhig, mit einem kleinen Bach daneben und felsigem Hintergrund für’s Auge.
Alles in allem eine lange und anstrengende Fahrt, die Grenzformalitäten gehen aber durchwegs äusserst rasch über die Bühne. Wir freuen uns, nach 4 Tagen endlich in der Türkei angekommen zu sein und beschliessen hier auch viel zu Fuss zu gehen: der Liter Diesel kostet hier immerhin fast 22 Schilling (oder für modernere Zeitgenossen: 1,55 Euro)!

Im sehr angenehmen Edirne holen wir unser Kulturmanko nach und besuchen die imposante und ebenso schöne wie leere (Dienstag morgen!) Selimiye Moschee. 

Das Erstehen der SIM-Karten für den Internetzugang und zum Telefonieren erweist sich wegen unserer mangelnden Türkischkenntnisse als kleines, aber durchaus lösbares Problem. Englischsprachige Angestellte im Turkcell-Center? Fehlanzeige. Aber es geht ja auch mit Händen, Füssen und beidseitig gutem Willen.

Auf dem Markt decken wir uns mit frischem Obst und Gemüse ein und dann geht’s an den Strand bei Mecidiye. Eine völlig einsame Bucht mit Sandstrand und glasklarem Wasser – da bleiben wir ein paar Tage und erholen uns!