Naher Osten 2010 – Teil 19: Auf dem King’s Highway dem Süden zu

Die Wadis in Jordanien sind ja oft trocken, manchmal aber entspringen kalte oder heisse, manchmal auch salzige Quellen an ihren Rändern. Das Wasser ist teilweise tausende Jahre alt (fossiles Wasser) und entstand in feuchteren Epochen. Wir haben zwar im Auto unser eigenes Hammam, trotzdem nehmen wir gerne einen Tag lang die bis zu 60 Grad heissen Quellen von Hammamat Ma’in in Anspruch, deren Wasser in Kaskaden über die steilen Felsen des Wadi fliesst.

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Unser „privater“ Wasserfall mit ca. 35 Grad
Heidi fühlt sich in den fast nur von Männern besuchten allgemein zugänglichen Pools nicht sonderlich wohl, die arabischen Männer starren zum Teil halt schon sehr, wenn sie eine Frau im Badeanzug sehen. Wir setzen uns deshalb in das angeschlossene superfeine *****Hotel ab, wo wir uns ein wenig „umsehen“ und in der hauseigenen Bibliothek die Schokokeks vernichten ;-)) und danach einen – offiziell geschlossenen – einsamen warmen Wasserfall entdecken, in dem wir ungestört sind und den heissen Strahl wie eine Massage auf uns wirken lassen.
Eine Autopanne erweist sich als – Allah sei Dank – als kleineres Problem: die Führung des Ölmessstabes ist abgerissen. Ein sehr seltsamer Defekt, der im Motorraum eine ziemliche Sauerei anrichtet und zuerst per Buschmechanik mit Hilfe eines geschnitzten Holzstückes und danach in Madaba fachmännisch behoben wird. Hier machen wir Bekanntschaft mit einem jungen Mann namens Osama, der uns spontan zum Mittagessen in sein Elternhaus einlädt. In kurzer Zeit ist die halbe Grossfamilie um uns versammelt und wir verbringen einen interessanten, gesprächsintensiven Nachmittag. Max bei den Männern und Heidi bei den Frauen – schön getrennt, wie es sich in einem arabischen Land gehört 🙂
Dies bleibt nicht die einzige Einladung des heutigen Tages: Auf der Suche nach einem ruhigen Schlafplatz abseits der Hauptstrasse lädt uns ein geschniegelter Rechtsanwalt in sein nigelnagelneues Haus auf einen Chay ein. Übernachten dürfen wir in seinem Olivenhain.

Weiter geht’s auf dem sogenannten „King Hussein Highway“ Richtung Süden. Die Kreuzfahrerburg Kerak aus dem 12. Jahrhundert thront mächtig über dem Ort und der Umgebung. Die tolle Aussicht von oben verleitet uns zu einem längeren Stop. Ausserdem müssen wir wieder mal unsere Vorräte aufstocken, denn es geht wieder in die Berge. Das Dana Natur Reservat stellt eines der letzten Refugien etlicher bedrohter Tierarten im Vorderen Orient dar. Der beinahe schon ausgestorbene Nubische Steinbock, der Syrische Wolf, Hyänen, Schakale und Sandkatzen sollen hier noch heimisch sein. Bei unseren mehrstündigen Wanderungen haben wir aber leider keines dieser Wildtiere erblickt. Jahrhundertelange Jagd haben sie einfach zu scheu gemacht. Trotzdem geniessen wir die Ruhe und faszinierende Kalk- und Sandsteinlandschaft bei Temperaturen um die 30 Grad im Schatten.
Die Gegend ist staubtrocken, denn die für November erwarteten Regenfälle sind bisher völlig ausgeblieben. Die Bauern jammern sehr über die Trockenheit und ihre miserable Olivenernte. Angeblich liegen seit 10 Jahren die Niederschläge weit unter dem Durchschnitt. Eine Auswirkung des Klimawandels?  
Dana Nature Reserve, Blick nach Suedwesten

Naher Osten 2010 – Teil 18: Über dem Jordan oder: Angekommen im Königreich Jordanien

Sorry, Freunde. Der letzte Blog-Update ist jetzt schon eine zeitlang her, aber wir waren wie immer ganz schön beschäftigt.
Die Grenzformalitäten von Syrien nach Jordanien am kleinen Übergang bei Der’a waren zügig und problemlos erledigt, aber nicht ganz billig: alleine die Versicherung fürs Auto schlägt mit über 100 € zu Buche.
Im Norden Jordaniens
Nach den Tagen in der Grosstadt haben wir nach Natur gelechzt. Ein kleines Naturreservat im Norden von Jordanien kam da gerade recht. Wieder mal was Grünes zu sehen, tut gut. Bloss dumm, dass es so gut wie keine Wege gibt und so durchstreifen wir u.a. auch das Dickicht und tragen ein paar tiefe Kratzer davon.
 
Jerash – Forum und Kolonnadenstrasse

Tags darauf steht die Besichtigung von Jerash (auch „Pompeij des Ostens“ genannt) auf dem Programm.  

Ausgezeichnet erhaltene römische Ruinen, eine grandiose Kolonnadenstrasse und ein riesiges ungewöhnliches weil ovalförmiges Forum. Ein bissl Touristenkitsch muss auch sein: täglich wird im Hippodrom ein Spektakel aufgeführt, das auf uns wie eine Mischung aus Asterix & Obelix mit römischen Zirkusspielen wirkt: Gladiatorkämpfe, Wagenrennen und eine Demonstration römischer Verteidigungspositionen (ja genau: die berühmte „Schildkröte“!). Ist recht witzig.

Asterix, wieso machen die spinnerten Römer die „Schildkröte“?
Amman, die Hauptstadt, lassen wir fast links liegen, d.h. wir halten uns nur kurz auf um a) Max‘ Zahn reparieren zu lassen, b) Trinkwasser aufzufüllen (nette Soldaten!) und uns c) bei der saudischen Botschaft eine Abfuhr zu holen: es gibt keine Chance, ein Transit- oder gar ein Touristenvisum zu bekommen. Im Hinterkopf haben wir ja immer noch den Plan, in den Oman zu reisen. Aber diese Option ist nun gänzlich gestrichen. Na ja. Wer weiss, wofür’s gut ist …
Von Amman führt die Strasse steil bergab und wir halten nur kurz für ein Erinnerungsfoto auf Meereshöhe. 
Auf Meeresniveau (neben der Hauptstrasse)

Doch es geht immer weiter runter, auch ohne U-Boot sondern immer noch im Hilux. Erst bei 400m unter Meeresniveau erwartet uns das Tote Meer und eine spannende Erfahrung: der extrem hohe Salzgehalt des Wassers lässt uns wie Korken an der Oberfläche plantschen. Brustschwimmen ist fast unmöglich: Wie einen Käfer dreht’s uns immer wieder auf den Rücken.
Aufs obligatorische Zeitungslesen-Foto haben wir verzichtet. Aber es ginge problemlos!
Der angeblich gesundheitsfördernde Tote-Meer-Schlamm macht Spass beim Einreiben. Wir machen die Bekanntschaft mit einem Österreicher und einem Brasilianer, zwei Rucksacktouristen, die mit uns den halben Tag verbringen und froh sind, dass wir genügend Süsswasser zum Abduschen mitführen. Das Gefühl auf der Haut ist nämlich nicht so prickelnd – eher brennend. Vor allem, wenn man noch die Kratzer vom Vortag auf den Wadeln spürt.
 
Öffentliche Wasserstellen gibt es nicht so wie in der Türkei alle paar Kilometer – wir holen uns das Brauchwasser zum Duschen bei der örtlichen Feuerwehr. Für die Burschen dort sorgen wir mit unserem Auto wieder mal für das Tagesgespräch. Wir erzählen oft, dass es nicht mit Diesel, sondern mit Wasser fährt, wegen des ähnlich aussehenden Tankstutzens. ;-)))
Der Sonnenuntergang vom Ufer des Toten Meeres ist grandios, der Blick aufs andere Ufer (Judäa, Israel) genial.
Hier unten auf minus 400 m (von hier unten schicken wir auch diesen Bericht zu euch rauf!) ist die Landschaft – wie es sich für einen Wüstenstaat gehört – braun, trocken und heiss. Um die Mittagszeit gut 30 Grad im Schatten. Nur die Fliegen feiern wilde Parties, denen scheint’s hier wirklich zu taugen.
Und dann sowas: inmitten dieser Wüste finden sich Wadis, die das ganze Jahr über Wasser führen. Und manche davon so viel, dass man Schwimmwesten braucht, um hier Canyoning zu betreiben! Ein grosser Spass für uns und eine willkommene Abwechslung. Auch wegen der relativen Kühle im Canyon, der oft so eng und verwunden ist, dass kaum Licht von oben eindringt.
Im Wadi Mujib

Lustige Cañon-Kraxelei im Wadi Mujib
Im Wadi Mujib: ein grösserer Wasserfall versperrt uns den weiteren Weg